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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Das Netz erklärt: Was ist Digital Detox?

Reuters

Der neueste Trend aus dem Silicon Valley hat nichts mit Apps und Smartphones zu tun, sondern mit dem Verzicht darauf. Digital Detox nutzen immer mehr ansonsten hypervernetzte Menschen, um richtig abzuschalten – und danach produktiver zu sein.

Das Oxford Dictionary kennt den Begriff bereits: Digital Detox ist demnach ein Zeitraum, in der eine Person auf die Benutzung elektronischer Geräte wie Smartphones oder Computer verzichtet – als Möglichkeit, Stress zu reduzieren und mit der physischen Welt zu interagieren.

In den USA gibt es bereits Digital-Detox-Camps, die ihren Kunden eine Art Neustart für den Körper anbieten. Besonders in der kalifornischen Tech-Hochburg Silicon Valley sind die Camps beliebt. Voice of America beschreibt die Regeln eines solchen Camps in einem Wald drei Autostunden von San Francisco entfernt: Keine Gespräche über die Arbeit, kein Alkohol, keine Vornamen oder Diskussionen darüber, wie alt die Anwesenden sind – und am wichtigsten natürlich: keine Handys, keine Computer, Tablets oder Uhren.

Erstmals fand das Camp vergangenes Jahr statt – doch in diesem Jahr sind die Wochenend-Camps stark gewachsen. Dem Bericht zufolge haben sich diesmal jeweils mehrere Hundert Teilnehmer an drei Wochenenden zum Digital-Detox-Camp angemeldet. Das Camp kostet 570 US-Dollar, Essen und Gruppenaktivitäten inklusive.

Mit den Hippies und Aussteigern der 1960er und 1970er Jahre hat der neue Trend zur digitalen Enthaltsamkeit übrigens nichts zu tun. Die überwiegend hart arbeitenden Mitarbeiter aus Tech-Unternehmen betonen häufig, dass ihr vorübergehender Verzicht auf digitale Kommunikation hilft, ihre Produktivität zu steigern.

„Wenn wir – wieder aufgeladen – zurückkommen, sind wir produktiver und haben eine andere Perspektive“, schreibt die Digital-Detox-Expertin Frances Booth für Forbes. „Es ist außerdem wahrscheinlich, dass wir mindestens eine großartige Idee bekommen, während wir nicht darüber nachdenken.“ Eine Art Light-Version des Digital Detox bietet übrigens die Smartphone-App Offtime.

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Kommentare (1 aus 1)

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    • Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend entsteht. Die ständige Reizüberflutung und überforderte User sind nur eine der vielen Folgen des (mobilen) Internetkonsums. Einige Apps habe ich auch in einem anderen Artikel gefunden (s.u). Allerdings frage ich mich nach dem Sinn einer App, die uns von unserem Mobile Device wegbringen soll. Ich bin gespannt, welche Trends noch entstehen und welche Folgen diese schnelllebige Technologie noch mit sich bringen wird.

      Hier noch der Link zu einem weiterführenden Artikel zum Thema Digital Detox. Darin enthalten sind einige Orte und Apps, die diesen Trend umsetzen:
      http://de.happycoffee.org/digital-detox/

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