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WLAN in Deutschland: EU-Kommissarin Kroes platzt der Kragen

Reuters
Archiv: EU-Kommissarin Neelie Kroes.

WLAN-Zugänge in Deutschland sind ein leidiges Thema: Was in Europa so gut wie überall vorhanden und kostenlos ist, dafür muss in Deutschland noch immer gezahlt werden. Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die digitale Agenda, platzte am Flughafen Düsseldorf nun der Kragen:

 

„Sie verlangen Geld für das WLAN – das ist Diebstahl!”, schrieb sie auf Twitter. „Wir zahlen hohe Gebühren, um Flughäfen zu nutzen – im Jahr 2014 erwarten die Leute Konnektivität!“ In einem weiteren Tweet hieß es dann: „6 Euro die Stunde hier am Düsseldorfer Flughafen. Dagegen sieht Roaming billig aus.“ Als EU-Kommissarin für die digitale Agenda setzt sich Kroes schon lange für eine Senkung von Roaming-Gebühren in der EU ein.

Der Düsseldorfer Flughafen reagierte am späten Abend auf die wütenden Tweets der Politikerin aus den Niederlanden. Der Airport biete seinen Besuchern und Passagieren ab dem 2. April eine halbe Stunde kostenlosen WLAN-Zugang an, teilte die Flughafen Düsseldorf GmbH mit. Ein Sprecher sagte WSJ Tech, die entsprechende Medieninformation sei aufgrund der Tweets von Kroes vorgezogen worden. Laut Pressemitteilung kosten ab dem 2. April aber 30 Minuten immer noch saftige 4 Euro, sobald das Gratis-Kontingent aufgebraucht wurde.

Der Sprecher räumte ein, dass Deutschland insgesamt beim Thema WLAN-Versorgung „nicht gerade zur digitalen Avantgarde“ gehöre. In Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden, aus denen Kroes stammt, sehe es hier „sicherlich besser aus“. Der Sprecher verwies darauf, dass es sich um ein WLAN mit 50.000 Quadratmetern Abdeckung vom Partner Vodafone handle. Die Gebühren, die Fluggäste zahlten, seien unter anderem für die Sicherheitskontrollen und würden kein WLAN abdecken. Der Frankfurter Flughafen hatte bereits im Januar 30 Minuten Gratis-Nutzung für das eigene WLAN angekündigt.

Generell ist Deutschland auch zur Verwunderung vieler Touristen im europäischen Vergleich sehr schlecht mit offenen WLAN-Netzen versorgt. Ein Problem: Wenn fremde Nutzer in einem WLAN etwa das Urheberrecht verletzen, kann der Rechteinhaber den WLAN-Betreiber auf Unterlassung verklagen (BGH-Urteil Az. I ZR 121/08). Der WLAN-Betreiber muss derartige Verstöße anschließend wirksam verhindern – oder es droht eine hohe Vertragsstrafe. Deshalb hat beispielsweise auch schon die deutsche Caféhauskette Woyton ihre WLANs wieder komplett abgeschafft – andere verlangen Registrierung oder schützen das Netz per Passwort.

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