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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Design von iOS 7 entzweit die Apple-Fans

Apple

„Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas von Apple wirklich hässlich finde“, sagt Tim Pritlove, Gastgeber des Podcasts Mobile Macs mit mehreren Tausend Hörern. Pritlove ist bekennender Apple-Fan – doch von der Design-Entscheidung zum neuen Betriebssystem für iPhone und iPad ist er „geschockt“, wie er sagt.

Podcast-Mitstreiter Ruotger „Roddi“ Deecke kritisiert, wegen der neuen Optik sei nicht mehr erkennbar, was ein Button ist und was nur Text ohne jede Funktion. Das sorge für ein verwirrendes Aussehen ohne Struktur.  Zudem sind Buttons mit Symbolen deutlich platzsparender als Worte – insbesondere, wenn diese auch noch auf Deutsch übersetzt werden. Die Übersetzung ist auch nicht immer gelungen – zumindest in der aktuell verfügbaren Testversion (Beta) von iOS 7: Die Option zum Verschieben einer E-Mail in den Spam-Ordner wird beispielsweise als „In ‚Werbung‘ bewegen“ übersetzt.

Auch ganz praktische Probleme werden an dem neuen Design kritisiert: Die neuen einfacheren Icons im flachen Design lassen sich weniger gut unterscheiden als die alten Icons – ein Vorwurf, der häufig auch Windows Phone gemacht wird, wo von Anfang an auf ein flaches Design gesetzt wurde.

Die Apple-Fans von „Mobile Macs“ sind nicht die einzigen, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen. In einem Tumblr-Blog sammelt beispielsweis ein Blogger die harsche Kritik von Designern auf Twitter an dem iOS-Design. Allein die schiere Masse der kritischen Twitter-Beiträge ist beeindruckend.

Die Probleme des Designs: Die Icons werden von sehr vielen Nutzern als hässlich empfunden, insbesondere die schrillen Farben. Interaktive Elemente sind nicht mehr ohne weiteres als solches zu erkennen – und vieles, was intuitiv war, ist verschwunden. So erscheint beim Sperrbildschirm beispielsweise nicht mehr der Schieberegler, der eine Bewegung nach rechts andeutet, um den Bildschirm zu entsperren.

Viele erinnert das neue „flachere“ Design außerdem stark an die mobile Konkurrenz von Windows Phone und Android. Der Trend zu flacheren Designs – also der zunehmende Verzicht auf 3D-Elemente – ist jedoch ein breiter Trend in der IT-Branche, der schon seit Jahren zu beobachten ist.

Waren die ersten Reaktionen im Netz auf das Video bei der Präsentation von iOS 7 auf der WWDC noch überwiegend positiv, hat sich die Stimmung inzwischen gedreht, nachdem viele Entwickler das neue Betriebssystem in einer Testversion auf ihr iPhone geladen haben. Was im Video noch schick inszeniert war, wirkt für viele in der Benutzung nun seltsam inkonsistent. Viele gewohnte Interaktionen der iPhone- und iPad-Nutzer funktionieren nun nicht mehr – wer beispielsweise wie bisher im E-Mail-Programm die Möglichkeit nutzen will, mit einem Klick auf die obere Leiste nach oben zu scrollen – wird durch die nun dort befindlichen Textbefehle gestört.

Es gibt aber auch Verteidiger des neuen Designs. Der einflussreiche Apple-Blogger John Gruber schrieb beispielsweise kurz nach der Präsentation: „Niemand hat in Frage gestellt, dass Jony Ive ein Hardware-Design-Team führen kann. Ob er allerdings auch ein Softwaredesign-Team leiten kann, war die größte Frage, die Apple die vergangenen acht Monate beantworten musste. […] Die Antwort ist ein lautes ‚Ja‘.“ Das neue Design zeichne sich durch Regeln aus – und durch freiwilligen Verzicht.

Ive selbst beschreibt das neue Design so: “Es gibt eine tiefe und dauerhafte Schönheit in der Einfachheit von Design, Klarheit und Effizienz. Wahre Einfachheit wird von so viel mehr als nur der Abwesenheit von Unordnung und Verzierung abgeleitet – es geht darum Ordnung in die Komplexität zu bringen”. iOS 7 sei eine klare Repräsentation dieser Ziele. “Es hat eine völlig neue Struktur, die einheitlich ist und über das gesamte System angewendet wird.”

Auch Peter Alguacil argumentiert bei medium.com für das neue Design. Apple würde iOS als integraleren Teil des Geräts behandeln. Statt Dinge aus der nichtvirtuellen Welt mit 3D-Optik, Schatten und Texturen wie Holzmaserungen nachzuahmen, verzichte das System auf Metaphern – und werden daher eher als immanenter Teil des Geräts wahrgenommen. Apple-Chefdesigner Jony Ive ist als entschiedener Gegner vom sogenannten Skeuomorphismus – Anspielungen auf die nichtvirtuelle Welt im Digitalen – bekannt. Scott Forstall, der vor Ive für das Design verantwortlich war, musste nach dem Desaster um Apple Maps gehen.

Apple-Nutzer gelten als besonders Update-freudig. Erst bei der jüngsten WWDC betonte das Unternehmen, dass rund 93 Prozent der iPhone-Nutzer die aktuelle Version iOS 6 installiert hätten. Mit iOS 7 könnte sich das dank des radikalen Designbruchs erstmalig ändern.

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Kommentare (4 aus 4)

Alle Kommentare »
    • Man kann Jeden nur warnen sich IOS 7 downzuloaden, das ist eine Katastrophe für Menschen die nicht mehr so gut sehen und es eilig haben, auch für alle, die mit Ihrem ipad gern mal schnell im Internet unterwegs sind. Eine einzige graue Pampe, das soll jetzt unsere Gegenwart sein. Absolut scheusslich auch das Design, das tut wirklich weh. Und es gibt kein zurück, das ist das Schlimmste an der sache, weil Apple schon das alte Programm rausgenommen hat. Da wird einem mal die Macht dieses sonst so schicken Konzerns bewusst - wir alle müssen danach leben, wie es sich einer ausdenkt. Unfassbar!
      Absoluter Mist das Ganze!!! Und keine Möglichkeit sich direkt zu beschweren.

    • Ich kann nur sagen ,,Abgrundtief hässlich"! Alle reden nur von Windows Phone oder Android nachgemacht,aber IOS 7 erinnert mich sehr stark an Nokias Symbion Anna ,,kindliche und grelle Icons, schwarz/weiße Menüs und absolute Konfusion konnte Nokia schon vor 2 Jahren. Wo Nokia heute steht sehen wir ja.Animierte Hintergründe braucht kein Mensch (wenn ich Wolken vorbeiziehen sehen will schaue ich aus dem Fenster), Bedienfelder sind mal rund, dann wieder eckig oder mit abgerundeten Ecken , die Schriften viel zu dünn und alles wenig kontrastreich wer soll das verstehen? Wenn ich ein flaches System will nehme ich Windows Phone,will ich ein System zum zocken und mit viel blingbling nehme ich Android, Apple hat bisher als Business Lösung überzeugt, übersichtlich, selbsterklärend seriöses Design und sicher, idealer ging es nicht und nun kommt Apple mit einem frühkindlichen Betriebssystem a la Prinzessin Lilifee mit grellen Kinder Aps und lustlosen verwirrenden Anwendungen. Apple ich glaube das war es erst einmal!

    • Ich hab mir als Entwickler die Testversion geladen. Bis auf die beschrifteten Buttons und ein paar kleine Beta- Macken macht das neue Design rundum total Sinn. Was erst mal komisch wirkt, ist eben nur das frische Design, nach 2 Tagen will man nicht mehr zurück... Bis auf Kleinigkeiten (normal in einer Beta) ist das Top geworden!

    • Premature ...

      Das ist bei weitem noch nicht alles fertig. Gerade der Slide-to-unlock Button wird nie im leben so bleiben wie bisher. Das Dingen ist wirklich ein UI Desaster (hat der Roddi Recht).

      Interessanterweise ist das ein Punkt, über den wenig berichtet wurde. Ich glaube nämlich nicht, dass iOS7 für alle Geräte bis Dezember fertig wird. Was natürlich nicht heisst, dass Apple das nicht trotzdem rausgibt. Ich vermute, dass ich mein Produktiv-iPhone erst mit 7.0.1 oder .2 upgraden werde.

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