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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Tradition und Revolution auf dem Mobile World Congress

dapd
Besucher des Mobile World Congress (MWC).

Der Mobile World Congress 2013 geht zu Ende – was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Konkurrenz eben doch das Geschäft belebt:

Telekom-Riesen wollen das Smartphone-Duopol mit Firefox knacken

Nach vielen Ankündigungen gemeinsamer Zusammenarbeit haben sich die europäischen Telekom-Riesen in diesem Jahr doch mal entschlossen, an einem Strang zu ziehen und unterstützen Mozillas Firefox als neues Betriebssystem für vor allem preiswerte Smartphones. Die Deutsche Telekom will damit beispielsweise in Polen anfangen, weitere osteuropäische Märkte sollen folgen, ob Firefox Smartphones irgendwann auch mal in deutschen T-Shops liegen bleibt offen.

Immerhin: die Deutsche Telekom, Telefonica und andere setzen ein Zeichen: sie sind das Duopol der Betriebssystem, Apples iOs und Googles Android leid sind und auch, wie diese Firmen ihnen das Geschäft erklären (wollen).

Samsung dominiert mit Stand in Größe eines Fußballfeldes

Umso erstaunlicher ist es, dass Google sich langsam Sorgen macht, dass Samsung zu übermächtig wird. Die Südkoreaner erlebten in den vergangenen Jahren einen kometenhaften Aufstieg, zogen an Apple als Top Smartphone-Verkäufer vorbei. Entsprechend dominant war ihr Auftritt auf dem diesjährigen Mobile World Congress: Der Stand war so groß, wie ein Fußballfeld. Apple, so viel amerikanische Arroganz muss dann doch sein, zeigt übrigens nie Flagge auf der Veranstaltung in Barcelona, die zu den wichtigsten der Branche in der Welt zählt. Doch der Schein trügt: Mehrere hundert Apple Mitarbeiter nehmen an der Messe teil, die von rund 70.000 Menschen besucht wird.

Weggeblieben ist diesmal auch Blackberry. Ein Manager gestand dem Wall Street Journal Deutschland, dass die Marketing-Ausgaben in diesem Jahr schon für die Einführung des seit über einem Jahr erwartetem Blackberry 10 verbraten wurden, der ab sofort dann doch endlich in Deutschland erhältlich sein werden, exakt ein Monat nach der offiziellen Vorstellung.

Tradition bei Nokia

Derweil lebt Nokia Tradition. Am Messe-Montag um viertel vor neun lädt ihr Boss Stephen Elop die Weltpresse ein – die strömt ein und entdeckt, dass das spannendste  dann doch ein 15 Euro teures Einfachhandy ist, dass nur einmal im Monat an die Steckdose muss. Natürlich zielt Nokia auf potenzielle Kunden in Entwicklungsländern, die noch nie ein Handy in der Hand hatten. Aber auch in Deutschland würde sich das Gerät sicher bestens verkaufen, als Notfall-Handy im Handschuhfach des Autos.

Ob die Finnen aber jemals wieder Anschluss an die Smartphone-Welt in Deutschland gewinnen werden, muss zumindest bezweifelt werden. Chancen, die die neuen schnellen LTE-Netze den Smartphone Herstellern bitten, werden von der asiatischen Konkurrenz – ob LG, HTC, Sony oder Huawei – besser verwertet. Letztere stellten mit dem Ascend P2 sogar ein Smartphone  vor, dass eine Download-Geschwindigkeit von 150 Megabit pro Sekunde bietet – schneller als jedes LTE-Netz in Deutschland bislang ist.

Das Datennetz zählt

Aber das gibt zumindest den Trend vor, den er in Barcelona bekannt machte: mobiles Internet zählt und O2 hat in Deutschland den Trend als erstes erkannt. Ab Freitag bietet es Tarife an, bei denen klassische Telefonate und SMS kostenlos sind, der Kunde zahlt nur noch für mobile Daten – je mehr, je schneller und je mehr er verbraucht.

Mahnende Worte kommen zurecht von Vodafone Boss Vittorio Colao: In der mobilen Welt ist niemand unverletzlich oder gar unsterblich. Das macht den Mobile World Congress in Barcelona jedes Jahr so spannend. Auch wenn die Sensation manchmal ein Einfach-Handy von Nokia ist.

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