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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Ist Cloud Computing gefährlich? Die EU sagt: Vielleicht

 

Die EU hat Bedenken gegen die Datenspeicherung “in der Wolke” geäußert. Weil in ein paar Jahren viele Organisationen auf Cloud Computing angewiesen sein werden, würden die neuen Dienste zu einer kritischen Infrastruktur. Finanzen, Gesundheit und Versicherungen – immer mehr Firmen aus wichtigen Bereichen würden ihre Daten dann anderen Konzernen zur Speicherung überlassen.

Marnix Dekker hat eine Studie im Auftrag der EU-Agentur für Netzwerk- und Informationssicherheit (ENISA) zu dem Thema verfasst. Er sagt: „Aus einer Sicherheitsperspektive heraus ist die Datenanhäufung ein zweischneidiges Schwert.“ Denn beim Cloud Computing werden Daten und Software nicht mehr in der eigenen Firma oder dem eigenen Rechner sondern auf einigen wenigen, entfernten Datenservern fremder Unternehmen gespeichert. Der Zugriff auf die Daten erfolgt dann über das Internet.

Cloud Computing „ist sicherlich etwas, wo es enorme Möglichkeiten gibt“, sagt ENISA-Chef Udo Helmbrecht. Große Dienstleister könnten aktuelle Sicherheitstechnik gewährleisten, indem sie die Kosten auf zahlreiche Nutzer verteilen. Analysten rechnen laut ENISA mit einem Wachstum des Marktes von 30 Prozent pro Jahr.

Die Autoren der Studie verweisen trotz dieser Vorteile jedoch auf zwei grundsätzliche Risiken. Zum einen sei der Einfluss eines Stromausfalls oder einer Sicherheitsverletzung größer, da er mehrere Organisationen und Bürger auf einmal betreffe. Zum anderen müsse sichergestellt werden, dass der Cloud-Anbieter EU-Recht unterworfen ist und dieses einhält.

“Die Frage ist, nach welcher Jurisdiktion der Cloud-Computing-Provider arbeitet”, sagt Helmbrecht. Kein Unternehmen wolle seine Personaldaten schließlich in China oder Amerika wissen. Doch das einzelne Unternehmen sei in der Regel nicht in der Lage, dies mit den Cloud-Anbietern zu verhandeln, sondern müsse die Geschäftsbedingungen akzeptieren wie bei einem Online-Einkauf. EU-Kommission und Mitgliedstaaten müssten hier handeln, um die Transparenz sicherzustellen.

“Cloud Computing ist eine Realität. Darum müssen wir für umfangreiche Störungen und Cyberangriffe vorausplanen”, sagt der ENISA-Chef. Wenn es nach der EU-Kommission geht, sollen die neuen Dienste in allen Wirtschaftsbrachen verstärkt genutzt und ihr Einsatz beschleunigt werden. Daten und Software auf entfernten Computern zu speichern sei schneller, billiger, flexibler und potenziell auch sicherer als vor Ort installierte IT-Lösungen.

Zudem könnten laut der Kommission 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und das EU-Bruttoinlandsprodukt jährlich um ein Prozent oder 160 Milliarden Euro gesteigert werden. Von den Organisationen, die Cloud Computing bereits eingeführt haben, erreichten laut EU 80 Prozent Kosteneinsparungen von mindestens zehn bis 20 Prozent, die restlichen 20 Prozent sogar 30 Prozent und mehr.

Der Bericht zum Cloud Computing der ENISA ist online verfügbar.

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    Stephan DörnerStephan Dörner
    Jörgen CamrathJörgen Camrath
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