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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Was die Kooperation zwischen Telekom und Fon für die Kunden bedeutet

dapd

Die Nachricht des Wall Street Journal Deutschlands, dass die Deutsche Telekom einen Anteil am spanischen WLAN-Betreiber Fon erwirbt, hat bei Tech-Blogs für viel Interesse gesorgt. Caschys Blog, das zu den Blogs mit der höchsten Reichweite in Deutschland gehört, schreibt beispielsweise, dass „diese unscheinbare Nachricht [...] weitreichende und durchaus bequeme Folgen für Nutzer haben“ könnte.

Das Konzept: Nutzer teilen sich untereinander ihre Festnetz-Internetzugänge mittels WLAN und können somit die häufig verstopften Mobilfunknetze umgehen. Im Ausland werden so außerdem Roaming-Gebühren gespart. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein dichtes Netzwerk an Fon-Teilnehmern vorhanden ist. In einigen Ländern wie Belgien und Großbritannien ist es dem spanischen Unternehmen gelungen, ein solches beinahe flächendeckendes Netz aufzubauen. Entscheidend war dabei jeweils die Partnerschaft mit einem Telekommunikations-Riesen, der die Kunden im Land zum Mitmachen bei dem Netzwerk bewegt – in Belgien Belgacom und in Großbritannien British Telecom.

In Deutschland fehlte ein solcher starker Partner bisher – und so blieb die Mitte Europas ein weißer Fleck auf der Fon-Landkarte. Mit einem ersten Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen, scheiterte Fon vor mehr als sechs Jahren trotz großer Investitionen. Damals verschenkte das Unternehmen seinen WLAN-Router „Fonera“ sogar, um die Basis für das Netzwerk zu legen. Mit der Deutschen Telekom ist nun allerdings ein starker Partner gefunden. Mehrere Insider bestätigten dem Wall Street Journal Deutschland, dass bereits eine Absichtserklärung zwischen beiden Firmen unterschrieben wurde. Von Überlegungen, einen Anteil von 20 Prozent an der spanischen Firma zu kaufen, war die Rede. Der genaue Anteil, den die Telekom nehmen wird, ist zu diesem Zeitpunkt aber noch Spekulation.

Von der Kooperation würde nicht nur die Telekom profitieren, die so ihr Mobilfunknetz in Deutschland entlastet. Dieses ist durch die Smartphone-Revolution mit immer mehr Datenverkehr ausgelastet. Klappt die Kooperation und machen Telekom-Kunden mit, können sie Geld verdienen oder Vergünstigen erhalten. Außerdem hätten sämtliche Menschen in Deutschland dann erstmals die Möglichkeit, an zahlreichen Orten ein einheitliches kostengünstiges WLAN-Netzwerk zu nutzen. Schon jetzt ist die Telekom mit rund 11.000 Hotspots der größe WLAN-Anbieter in Deutschland – würde ein größerer Teil der rund 11 Millionen Festnetz- beziehungsweise Internetkunden der Telekom ihren Breitbandanschluss mittels WLAN teilen, wäre das Netz noch wesentlich engmaschiger. Telekom-Kunden könnten die schnelleren Fon-Zugänge vermutlich gratis nutzen – und hätten so Zugriff auf ein schnelles Internet dort, wo es im mobilen Netz derzeit stockt.

Die Herausforderung liege dabei allerdings vor allem in der Produktbürokratie der Telekom, schreibt Netzwertig: „Bislang haben die Bonner es nicht geschafft, Festnetz und Mobilfunk in einem Tarif zu vereinen.“ Schon im Juli berichtete das Technik-Blog über die Idee des „WLAN-Outsourcing“ als Hoffnung für die Netzbetreiber.

Insbesondere in Deutschland, wo es aufgrund der Gesetzeslage nur wenig offene Funknetzwerke gibt – Stichwort Störerhaftung – ist die Idee attraktiv. Das Problem für die missbräuchliche Nutzung Dritter verantwortlich gemacht zu werden, haben Fon-Teilnehmer nicht, da sich alle „Foneros“ mit Login-Daten identifizieren müssen. Das könnte bei Telekom-Kunden auch ganz automatisch im Hintergrund passieren, ohne dass es der Kunde merkt.

Setzt die Telekom das Fon-Konzept wie in anderen Ländern um, würden die WLAN-Router für Gäste ein eigenes WLAN-Signal ausstrahlen, damit durch die Fremdnutzung kein Sicherheitsrisiko entsteht.

„Würde die Telekom ihr eigenes Hotspot-Netz mit 11.000 Standorten und vor allem einigen ihrer 11 Millionen Festnetzanschlüsse mit einbringen, könnte das der Community in Deutschland zum Durchbruch verhelfen“, schreibt Netzwertig. Ähnlich funktionierte es auch in Belgien, das über eines der dichtesten Fon-Netzwerke weltweit verfügt: Alle vom ehemaligen Staatsmonopolisten Belgacom betriebenen öffentlichen WLAN-Hotspots sind Fon-Zugänge. „Sogar in kleinen Städten findet man diese Hotspots an zahlreichen Stellen“, berichtet ein Nutzer im Forum von Heise Online.

Die Telekom könnte ihre Kunden eine Teilnahme am Fon-Netzwerk durch kostenlose Router und finanzielle Anreize schmackhaft machen. Schon jetzt bekommt, wer beim Fon-Netzwerk mitmacht, Zugriff auf alle weltweit sieben Millionen Fon-Netzwerke kostenlos und wird an den Umsätzen beteiligt, die Fremde für die Nutzung des eigenen WLANs zahlen. Positiv für die Telekom-Kunden wäre auch, wenn sie die Fon-Netzwerke im Ausland nutzen könnten und somit teure Roaming-Gebühren beim Surfen sparen.

In Deutschland würden also Festnetz-Kunden ihr Breitbandinternet anderen Telekom-Kunden zu Verfügung stellen und erhielten dadurch Vergünstigungen, Mobilfunkkunden würden durch ein schnelleres und stabileres Datennetz profitieren und die Telekom entlastet ihr Mobilfunknetz. Damit das Zusammenspiel zwischen Festnetz-Kunden und T-Mobile-Kunden allerdings klappt, müsste die Mobilsparte des der Bonner Betrieb stärker mit der Festnetzabteilung zusammenarbeiten. „Eine Integration von Fon wäre damit auch eine Chance des trägen Bonner Konzerns, die mittlerweile undurchschaubar gewordene Tarifstruktur radikal zu vereinfachen und Festnetz und Mobilfunk endlich zu vereinen“, schreibt Netzwertig.

Die Tech-Community ist sich weitgehend einig: Ein solcher Schritt ist überfällig. „Da seid ihr aber verdammt spät dran, liebe Telekom“, schreibt beispielsweise ein Nutzer im Forum von Heise Online und verweist auf die bereits 2006 gestartete Kooperation zwischen British Telecom und Fon in Großbritannien. „Funktioniert prima, übrigens“, fügt er hinzu.

Auch die Analysten von Warburg Research sehen den Schritt positiv für die Telekom. Neben der Entlastung des eigenen Mobilfunknetzes stellen sie vor allem die Tatsache heraus, dass er Anteilskauf von Fon den Deutschen Zugang zu Märkten wie Frankreich und Portugal verschaffen würde, in denen sie derzeit noch nicht vertreten sind, schrieb der Analyst Jochen Reichert in einer am Montag veröffentlichten Studie.

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Kommentare (1 aus 1)

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    • Brauchen wir das? Es gibt doch bereits genügend kostenloses WLAN.
      Bereits heute ist fast überall irgendwo ein kostenloser WLAN Hotspot zu finden. Hilfe bei der Suche bieten div Apps oder Portale wie [SPAM-Link entfernt].

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