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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Warum Big Data nicht nur beim Verkauf von T-Shirts gut ist

Das Schlagwort Big Data sei wie Sex bei Teenagern, sagte der Datenwissenschaftler Dj Patil auf der Konferenz DLD in München: „Jeder spricht darüber, jeder glaubt, dass es alle anderen machen, und jeder behauptet daher, dass er es schon machen würde.“

Tatsächlich ist Big Data  seit einigen Jahren ein Schlagwort, das auf keinem IT-Branchentreffen fehlen darf – und dennoch können viele Unternehmen es noch nicht mit Inhalt und konkreten Anwendungen füllen. Die vom Burda-Verlag ausgerichtete DLD-Konferenz in München steht daher auch ganz im Zeichen von Big Data – und was damit möglich ist.

Die Grundlage von Big Data sind Milliarden von Sensoren und Geräten, die jederzeit rund um die Welt Daten sammeln – so sind beispielsweise Smartphones und das, was die Nutzer damit tun, eine ständige Quelle neuer Daten. Doch auch Satelliten, Produkte mit RFID-Chips, GPS-Daten von Kameras und Smartphones gehören zu den ständigen Datensammlern.

„Mit Big Data bekommt die Welt ein Nervensystem“, glaubt daher der Fotograf Rick Smolan, der auf  der Konferenz seine iPad-App zum Buch „The Human Face of Big Data“ präsentierte. Zuerst habe Smolan den Begriff nur für einen weiteren Marketing-Gag gehalten – doch dann entdeckte er mehr in dem Thema und wollte mit dem Buch Big Data ein Gesicht geben. Am bekanntesten ist die Echtzeit-Auswertung von Big Data bei Google und Amazon: Die Websuchmaschine nutzt riesige Datenmengen, um zu entscheiden, welche Werbung Nutzern angezeigt wird. Der Onlinehändler nutzt das Einkaufsverhalten von Millionen von Nutzern, um Muster zu finden und auf dessen Grundlage Empfehlungen zu geben, woran der Kunde als nächstes interessiert sein könnte.

„Big Data ist für mehr gut als nur T-Shirts zu verkaufen“, sagt Smolan. So illustriert sein Buch beispielsweise, wo verurteilte Straftäter in New York wohnten, bevor sie ein Verbrechen begingen. Die beeindruckenden Fotos sind nicht nur schön anzusehen, sondern können auch hilfreich sein – beispielsweise, wenn es darum geht, auf welche Teile der Stadt sich Präventionsmaßnahmen konzentrieren sollten. Eine weiteres Beispiel: Landwirte, die ihre Ausbeute bis 2030 mittels Daten verdoppeln wollen – unter anderem, indem die Felder mit Hardware wie iPads überwacht werden.

Eine weitere konkrete Anwendung, die Smolan präsentierte, ist die kostenlose App Datainsights. Nachdem zahlreiche persönliche Informationen eingeben wurden, findet die App denjenigen anderen Nutzer des Programms, dessen Angaben mit den eigenen am besten übereinstimmen. Smolan nennt das den „digitalen Doppelgänger” finden.

Der Fotograf befürchtet, dass die Massen an Daten nicht allen gleichermaßen zur Verfügung stehen werden. Auf der DLD erzählte Smolan die Geschichte eines Mannes mit Herzschrittmacher, der die Daten, die sein Herzschrittmacher aufzeichnete, gerne selbst ausgewertet hätte – um beispielsweise Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und Herzproblemen herauszufinden. Er rief die Herstellerfirma an, die die Daten jedoch nicht herausrücken wollte, da sie Firmeneigentum seien. „Moment mal, das ist mein Herz, und das sind meine Daten“, soll der Mann gesagt haben – allerdings ohne Erfolg. 

Die Digital Life Design (DLD)ist eine seit 2005 jährlich stattfindende Konferenz in München, auf der sich internationale Gäste aus großen Unternehmen und Tech-Start-ups zu Zukunftsfragen austauschen. Die Konferenz gilt neben der Pariser LeWeb als wichtigste Konferenz für Internetunternehmen

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