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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Wie Instagram mit 13 Mitarbeitern zum Milliarden-Unternehmen werden konnte

dapd

Mit einer guten Idee erfolgreich zu sein, war noch nie so einfach. Der Grund: Durch neue Technologie wie Cloud Computing haben sich die Regeln der IT-Wirtschaft grundlegend gewandelt – und ein 13-Mann-Unternehmen kann schnell Milliarden wert sein.

Als die Foto-App Instagram von Facebook für eine Milliarden US-Dollar übernommen wurde, war das Start-Up 551 Tage alt und hatte 13 Mitarbeiter.  Die 116 Jahre alte New York Times mit allein rund 1250 redaktionellen Mitarbeitern wurde damals an der Börse mit weniger als einer Milliarde Dollar bewertet.

Alles was Instagram bei der Übernahme durch Facebook hatte, war eine gut umgesetzte Idee, auf die viele Millionen Nutzer angesprungen sind. Doch wie konnte ein 13-Mann-Team einen derartigen Nutzer-Ansturm managen? Die Antwort gibt das Unternehmen im eigenen Blog: Hunderte virtuelle Instanzen beim Cloud-Dienstleister Amazon lieferten die Server-Power, um die rund 80 Millionen Nutzer von Instagram zu versorgen.

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Start hatte Instagram bereits mehr als 14 Millionen Nutzer – dennoch kam das Unternehmen mit einem kleinen Kern-Team aus. Das Erfolgsgeheimnis: „Halte es so einfach wie möglich, erfinde das Rad nicht neu und nutze bewährte und ausgereifte Technik, wann immer es geht“, schreibt Instagram auf dem Unternehmensblog.

Der seit Jahrzehnten anhaltende Trend zur Standardisierung macht Hard- und Software immer günstiger. Der Weg von der guten Idee zum erfolgreichen Start-up wird so immer kürzer und einfacher. Noch während der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre benötigten die massenhaft gegründeten Tech-Unternehmen viel Kapital für teure Server-Hardware und Software-Lizenzen wie Datenbanken für mehrere zehntausend Euro.

Zwei Trends haben die Kosten deutlich gesenkt: Der Einsatz von Hardware von der Stange, normale Consumer-PCs, die zu Server-Clustern zusammengeschlossen werden – und der Siegeszug von kostenloser Open-Source-Software. Auch Instagram setzt komplett auf kostenlose Open-Source-Software: das Linux-basierte Betriebssystem Ubuntu, die freie Server-Sotware nginx und die Open-Source-Datenbank PostgreSQL.

Die konsequente Fortführung der Standardisierung heißt Cloud Computing. Dabei werden die benötigten Rechen-Ressourcen einfach über das Internet bezogen – nach Bedarf. Dadurch gewinnen gerade kleine Unternehmen deutlich an Flexibilität und können schnell wachsen. Instagram verwendet dafür die Lösung EC2 vom Marktführer Amazon.

Update vom 18. Januar 2013:  In einer früheren Version des Artikels stand der Satz: “Der Online-Händler hat seine überschüssige Server-Infrastruktur schnell genutzt, um beim Cloud Computing Trends zu setzen” über Amazons Service EC2. Das ist laut Amazon ein Mythos. “Es ging nie darum überflüssige Kapazitäten zu verkaufen”, teilte Amazon WSJ Tech mit. “Wäre das so gewesen, hätten die Kapazitäten der Amazon Web Services (AWS) schon zwei Monate nach dem Start nicht mehr ausgereicht.”

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Kommentare (1 aus 1)

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    • [...] Die Ökonomie des Internets ist geradezu paradox: Einerseits sind die Marktzutrittsschwellen zu gigantischen Märkten so niedrig wie nie. Große Teile der Software-Infrastruktur jedes Start-ups kosten dank Open-Source-Programmen keine Lizenzgebühren, der Zugang zum weltweiten Verbreitungsmedium Internet ist quasi umsonst – und die Rechenkraft wird dank Cloud Computing auch immer billiger und kann bei Bedarf extrem schnell mit dem Unternehmen mitwachsen. So ist es dem Bilder-Dienst Instagram beispielsweise gelungen, mit nur 13 Mitarbeitern zu einem Milliardenunternehmen zu werden. [...]

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