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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Werden deutsche Smartphones wieder dümmer?

dapd

Die Nutzung von Smartphones ist stark gestiegen – immerhin gibt des die günstigsten Geräte heute so billig wie einst normale Handys. Doch viele der Geräte werden in Zukunft gar nicht „smart“ genutzt, glaubt Deloitte – weil sie nie so gut wie mit dem Internet verbunden sind.

Die Unternehmensberatung sagt in ihren „Deloitte TMT Predictions 2013“ für Ende des Jahres einen Smartphone-Bestand von 60 Millionen Geräten in Deutschland voraus – mit anderen Worten besitzt dann fast jeder Deutsche eins. Doch 15 Millionen davon werden der Prognose zufolge weniger als einmal im Monat mit dem Internet verbunden, weitere drei Millionen nur via WLAN und nicht unterwegs mit Mobilfunkvertrag. Obwohl es sich technisch gesehen um Smartphones handelt, erfüllen sie lediglich die Funktionen älterer Handymodelle wie Telefonieren, SMS schreiben und dem Erstellen von Fotos.#

Nicht mehr nur was für “Early Adopter”

Hätten bislang vor allem die technikaffinen „Early Adopter“ zu Smartphones gegriffen, erobern die Geräte zunehmend auch die Nutzerschaft, die weniger technikbegeistert ist – alleine schon weil das Angebot an hochwertigen Nicht-Smartphones immer kleiner wird. Deloitte erwartet nun eine steigende Zahl von einfachen Einstiegsgeräten, die weniger können und leichter zu bedienen sind. Auch, dass alte Smartphones an oft ohne Vertrag weitergegeben werden, beispielsweise auch bei Kindern, spiele eine Rolle.

Viele Neubesitzer seien weder von den zusätzlichen Gerätefunktionen überzeugt noch bereit, die hohen Kosten von mobilen Datentarifen zu zahlen. Doch Deloitte sieht einen Ausweg: „All-you-can-App“-Tarife – Datenflatrates, die nur für bestimmte Anwendungen gelten, statt Zugriff auf das gesamte Internet zu gewähren. Das kommt Kunden entgegen, die weder das gesamte Internet nutzen wollen noch bereit sind, die dafür meist noch hohen monatlichen Kosten zu tragen.

Deloitte sagt “All-you-can-app”-Tarife voraus

Deloitte sagt voraus, dass 2013 weltweit 100 Mobilfunkanbieter “All-you-can-app”-Tarife einführen werden. Damit würden die Kunden einen preisgünstigen Datentarif mit gedeckelten Kosten bekommen und die Netzbetreiber profitieren von der Beschränkung der freien Datennutzung auf bestimmte Dienste.

Denn die sogenannten Datentarif-Flatrates der Mobilfunkprovider sind bislang gar keine echten Flatrates: Hat der Mobilfunkkunde ein bestimmtes, häufig noch niedrig limitiertes Datenvolumen aufgebraucht, wird sein Zugang gedrosselt. Die Nutzung mobiler Video- und Musikstreaming-Dienste ist so bei den meisten heutigen mobilen Datentarifen kaum praktikabel.

Deloitte zitiert internationale Beispiele für den „All-you-can-App“-Ansatz. So bietet Vodafone in Spanien unbegrenzten Zugriff auf unterschiedliche TV-Kanäle. Bei der Deutsche Telekom ist in den 10 Euro, die sie für den Zugriff auf den Musikdienste Spotify verlangt, die Datennutzung in unbegrenzter Höhe bereits enthalten.

Letztlich profitieren davon sowohl App-Anbieter als auch Mobilfunkprovider. Die genaue Ausgestaltung des Vertragswerks zwischen Spotify und der Telekom ist nicht bekannt. Branchenexperten gehen aber laut Deloitte davon aus, dass sich die Zahlungsströme zwischen den beiden Unternehmen in etwa ausgleichen, das Ganze also faktisch ein Nullsummenspiel ist.

Außerhalb Europas werde Schwerpunkt dagegen eher auf Messaging-Diensten wie WhatsApp oder Internet-Telefonie (Voice over IP, kurz VoIP) liegen. Insbesondere für das außereuropäische Ausland erwartet Deloitte die Vermarktung von mobilen VoIP-Diensten und Messaging in Verbindung mit “All-you-can-App”.

Deutsche besonders interessiert

Eine aktuelle Befragung von Deloitte zeigt, dass das Interesse an solchen App-spezifischen Tarifen in Deutschland besonders groß sei. 47 Prozent der Deutschen würden demnach solche Tarife buchen – während es in Großbritannien und den USA jeweils nur 32 Prozent sind.

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