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Was steckt hinter SAPs Software-Wunderwaffe HANA?

dapd

Der deutsche Softwarekonzern SAP ist auf Werbetournee. Vergangenen Donnerstag lud der größte europäische Softwarekonzern aus Walldorf zu einer Pressekonferenz, um zu verkünden, dass nun sämtliche Kernanwendungen von SAP, die in zahlreichen Unternehmen eingesetzt wird, auf Basis der hauseigenen Datenbank HANA genutzt werden können.

SAP-Co-Chef Bill McDermott, der zusammen mit dem Dänen Jim Hagemann Snabe den Vorsitz des Unternehmens führt, sagte im Gespräch mit AllThingsD über HANA: „Wir haben inzwischen 1000 Kunden, es wächst also wirklich schnell. Wir gehen inzwischen davon aus, dass es sich um einen Markt von einer halben Milliarde US-Dollar handelt, was es zu dem am schnellsten wachsenden Softwareprodukt der Welt machen würde.“

Das mag etwas übertrieben klingen – doch für ein Business-Produkt ist das Wachstum von HANA in der Tat beeindruckend. Erst vor 18 Monaten führte SAP die Datenbanktechnik ein. Anfang Oktober nannte der Konzern die Zahl von 500 Unternehmenskunden – dreieinhalb Monate später sind es bereits doppelt so viele.

Doch was steckt hinter der neuen Wundersoftware von SAP? HANA ist eine sogenannte In-Memory-Datenbank. Das bedeutet, die Datenbank operiert komplett im schnellen Arbeitsspeicher eines Computers und nutzt nicht wie klassische Datenbanken die Festplatte, um Daten zu speichern und zu lesen. Das ermöglicht neue Anwendungen, die heute meist unter dem Stichwort Big Data zusammengefasst werden – die Analyse riesiger Datenmengen in Echtzeit.

HANA ist das am schnellsten wachsende SAP-Produkt

SAP ist nicht alleine auf dem Markt der In-Memory-Datenbanken unterwegs. Der größte Konkurrent Oracle nennt sein In-Memory-Produkt TimesTen, IBM hat SolidDB im Angebot – um nur zwei weitere große Anbieter zu nennen. Doch SAP ist sehr erfolgreich damit: Schon 2011 verzeichnete die Sparte nach Unternehmensangaben das stärkste Wachstum.

SAP will den Einsatz von HANA noch ausbauen: Seit vergangenen Donnerstag sind auch die SAP-Kernanwendungen für Unternehmen – zusammengefasst in der SAP Business Suit – auf Basis von HANA lauffähig. Damit können die SAP-Anwendungen schneller betrieben werden und sind nicht mehr auf die Datenbank eines SAP-Wettbewerbers angewiesen. Bislang betreiben viele SAP-Kunden ihre Software auf Basis einer Oracle-Datenbank. Das US-Unternehmen ist mit Abstand weltweiter Marktführer bei den Datenbanken. Andere Unternehmen setzen aber auch auf Lösungen von IBM oder Microsoft.

Arbeitsspeicher-Turbo für die Datenbank

In-Memory-Datenbanken beschleunigen die Verarbeitung großer Datenmengen im Wesentlichen durch zwei Techniken: Einerseits wird durch die Programmierung versucht, diejenigen Schreib- und Leseoperationen, die bei klassischen Datenbanken auf der Festplatte stattfinden würden, in den schnelleren Arbeitsspeicher des Computers zu verlagern. Der Arbeitsspeicher bietet deutlich schnelleren Zugriffzeiten als eine Festplatte.

Andererseits verlagern In-Memory-Datenbanken das, was bei klassischen Datenbanken im Hauptspeicher stattfindet, so weit wie möglich in den noch schnelleren Speicher des Hauptprozessors – den sogenannten CPU-Cache. Dieser Speicher sitzt direkt in den Hauptprozessoren der Rechner und hat damit einen besonders „kurzen Draht“ zu den Chips, die die Berechnungen durchführen.

Die Datenbank-Technik benötigt ein Zusammenspiel von spezieller Hardware und Software. Mit dem kombinierten Angebot von beidem aus einer Hand können In-Memory-Anbieter wie SAP, Oracle und IBM derzeit gutes Geld verdienen. Der Nachteil für Unternehmen: Der Arbeitsspeicher eines Computers ist nicht nur um ein Vielfaches schneller als eine Festplatte – die gleiche Speichermenge kostet auch deutlich mehr. Häufig wird bei In-Memory-Datenbanken vom Grid-Computing Gebrauch gemacht, bei dem viele einzelne zu einem Rechner-Verbund zusammengeschlossen werden.

Amazon und Google zeigen, was mit Biga Data möglich ist

Was die durch die In-Memory-Technik ermöglichte Echtzeitanalyse von riesigen Datenmengen Unternehmen bringen kann, machen unter anderem die IT-Riesen Amazon und Google vor. Sie werten beispielsweise in Echtzeit aus, welche Werbeanzeige von einem Websurfer gerade am wahrscheinlichsten geklickt würde oder welches Produkt ein Kunde auf der Website des Versandhändlers Amazon als nächstes interessieren könnte.

Auch dank der mobilen Smartphone- und Tablet-Revolution fallen immer mehr Daten an, viele davon werden maschinell erzeugt. Eine systematische Auswertung mittels Software kann helfen, Unternehmensentscheidungen zu optimieren – sei es bei der Marktforschung oder im Finanzsektor. Flughäfen beispielsweise nutzen die Analyse von vielen Daten in Echtzeit, um die Ankunft von Flugzeugen besser zu planen, was die Effizienz steigert.

So gut wie alle großen Technologie-Konzerne wie IBM, Intel, HP, Oracle, Dell oder EMC haben Lösungen für sehr große Datenmengen im Angebot. Mit Hadoop gibt es auch eine populäre kostenlose Open-Source-Lösung.

Studie: Datengetriebene Entscheidungen sind besser

Laut einer Studie im Auftrag des Magazins „Havard Business Manager“ erzielen Unternehmen, deren Entscheidungen datengetrieben sind, bessere Ergebnisse. Mit der Verbreitung von Tablets und Smartphones wird die Business Intelligence zunehmend mobil. Die Daten wandern immer mehr in die Cloud und können so mit der richtigen Software-Lösung auch unterwegs via Internet abgerufen werden. Die Marktforscher von Gartner schätzen, dass in wenigen Jahren schon ein Drittel aller Analysen von Unternehmensdatenbanken mobil via Smartphone oder Tablet abgerufen werden.

Das Prinzip der Cloud: Aufgrund der großen Netzwerk-Bandbreiten und der flächendeckenden Verfügbarkeit des Internets werden Computerressourcen zentralisiert und nur bei Bedarf über das Netzwerk – sei es das Internet (Public Cloud) oder das firmeninterne Netz (Private Cloud) – abgerufen. Das hilft, Kosten und Energie zu sparen, weil Computerressourcen so effektiver verwaltet werden können.

Die Anwendungen von SAP können heute alle sowohl in großen eigenen Rechenzentren betrieben werden („On-Premise-Modell“) als auch in einer Cloud-Infrastruktur – oder irgendetwas dazwischen („hybrides Modell“). SAP will nach eigener Aussage ein führender Anbieter von Cloud-Anwendungen werden. Dass es der Konzern mit dieser Ansage ernst meint, hat er zuletzt durch die Übernahme des US-Unternehmens SucessFactor für 3,4 Milliarden US-Dollar unter Beweis gestellt. SucessFactor ist Hersteller von Software im Bereich Human Resources auf Cloud-Basis.

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