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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Googles seltsame Maps-Sperre für Windows-Smartphones

dapd

Wer Google mit einem Windows-Smartphone nach dem Weg fragt, wird seit diesem Wochenende kommentarlos auf die Google-Startseite geleitet, berichtet unter anderem das Blog The Next Web. In einer Stellungnahme für das IT-Blog Gizmodo erklärte Google, der Dienst sei auf Browser optimiert, welche zur Darstellung der Website eine Software namens Webkit nutzen. Diese sogenannte Rendering-Engine nutzen sowohl Apples Safari als auch Googles Webbrowser Chrome, nicht aber der Internet Explorer von Microsoft, der auf Windows-Smartphones zum Websurfen verwendet wird.

Die Erklärung ist aus mehreren Gründen nicht schlüssig: Erstens merkten viele Blogs an, dass Googles Web-Kartendienst problemlos mit dem Internet Explorer auf Desktop-PCs funktioniert, der nach Aussage von Microsoft exakt dieselbe Rendering-Engine zur Darstellung der Websites verwendet wie der Internet Explorer auf Smartphones mit Windows Phone 8. Zweitens hatte Google die Umleitung offenbar für die britische Version von Google Maps vergessen, sodass Nutzer eines Smartphones den Webdienst mit der Adresse http://maps.google.co.uk/ nach wie vor aufrufen konnten, wie Gizmodo berichtet.  Auch mit dem beliebten Firefox-Browser funktionierte Google Maps immer, obwohl dieser Webbrowser Webkit ebenfalls nicht verwendet.

Windows-Phone-Nutzer können Google Maps immer noch nutzen, wenn sie beim Internet Explorer den Desktop-Modus aktivieren. Die Option sorgt dafür, dass Websites auf dem Smartphone so dargestellt werden wir auf einem Windows-PC, nicht in ihrer mobilen Variante. Auch andere Websites, die eine mobile Variante für Smartphones aufliefern, werden dann in der Standard-Ansicht angezeigt, so lange der Desktop-Modus aktiv ist. Außerdem lässt sich die für Desktop-PCs optimierte Vollversion von Googles Kartendienst auf Smartphones nicht komfortabel bedienen.

Inzwischen scheint Google zurückzurudern. Cnet zitiert eine Stellungnahme von Google, laut der die Umleitung wieder verschwinden soll – nachdem Google das Bedienerlebnis für Internet-Explorer-Nutzer mit technischen Änderungen verbessert haben sollen.

Warum das Hickhack? Könnte es sein, dass Google ursprünglich dem eigenen mobile Betriebssystem Android gegenüber Microsofts Windows Phone einen Vorteil verschaffen wollte?

Dagegen spricht, dass Google seit kurzem auf der Plattform des größten Konkurrenten Apple eine eigene, viel gelobte Karten-App zum kostenlosen Download anbietet – nachdem Apple die Googles Karten-App durch das viel kritisierte Apple Maps als Standard-Kartendienst ersetzt hatte. Allerdings fehlt der iPhone-Variante von Google Maps die bei Android eingebaute Auto-Navigation. Insofern ist es tatsächlich möglich, dass Google im Zusammenhang mit der Internet-Explorer-Engine zumindest bei der mobilen Version des Kartendienstes Probleme festgestellt hat.

Was immer die Hintergründe sind – für alle, die Windows Phone 7 und Windows Phone 8 verwenden, gibt es eine Alternative namens Nokia Here. Die Lumia-Smartphones von Nokia haben eine verbesserte Version der Karten-App des finnischen Herstellers bereits vorinstalliert.

Google reagierte bis zum späten Montagmorgen nicht auf die Bitte um Stellungnahme von WSJ Tech.

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