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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Wer hat das Netbook getötet?

Die beiden größten Netbook-Hersteller Acer und Asus produzieren die kleinen und günstigen Laptops seit dem 1. Januar 2013 nicht mehr, berichtet die Digitimes.

Der britische Guardian geht der Frage nach, wer das Netbook getötet hat. Die Tatverdächtigen: Apples iPad und andere Tablets, die Konkurrenz des PC-Marktes, die globale wirtschaftliche Entwicklung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen die Netbooks hergestellt wurden. Die von Intel 2012 eingeführte Klasse der Ultrabooks hat ein Alibi: Die neuen besonders schnellen, flachen, leichten und teuren Laptops zielen mit ihrem Preis auf einen ganz anderen Markt und sind darüber hinaus viel zu erfolglos, als dass sie den Netbooks hätten gefährlich werden können.

Tablets haben Netbooks überrundet

Klar ist: Seit im April 2010 Apples iPad auf den Markt kam, hat es die gesamte PC-Branche aufgewirbelt. Im Februar 2012 überrundeten die Tablets die Netbooks bei den verkauften Stückzahlen. Doch das allein ist noch nicht ausschlaggebend. Vielmehr konnte der Netbook-Markt aufgrund der geringen Preise und Margen kaum Druck aushalten. Netbooks konnten nur ein Massengeschäft sein, keine Nische – in welche die Geräte durch mehrere Faktoren gedrängt wurden.

Insbesondere, nachdem klar wurde, dass viele Käufer das vertraute Betriebssystem Windows statt Linux bevorzugten, wurden die Margen immer geringer, weil die Hersteller nun auch noch für eine Windows-Lizenz an Microsoft zahlen mussten. Dass der PC-Markt insgesamt vor allem durch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ab 2010 geschwächt wurde, kam erschwerend hinzu.

Der taiwanesische Hersteller Asus, mit vollem Namen eigentlich Asustek, hatte die besonders kleinen, billigen und leistungsschwachen Laptops 2007 mit dem EeePC eingeführt. Damals war das mit Linux ausgestattete Gerät für einen revolutionären Preis zu haben: 200 Dollar in den USA, in Deutschland kam es ein Jahr später zu einem höheren Preis auf den Markt.

Der EeePC und seine Nachahmer waren die ersten Massen-PCs mit Solid State Drives (SSD) – schneller Flash-Speicher, der als Festplattenersatz dient und heute immer häufiger zur Standard-Ausstattung jedes PCs gehört. Auf ein optisches Laufwerk zum Abspielen von CDs, DVDs und Blu-rays wurde – wie bei den später eingeführten teuren Ultrabooks – aus Platz- und Gewichtsgründen verzichtet.

Schnell aber wurde das Konzept auch verwässert: Geräte mit Festplatte statt SSD kamen auf den Markt und die meisten Netbooks sind heute mit Windows XP oder Windows 7 ausgestattet und nicht mehr mit Linux. Was bei allen Netbooks gleich geblieben ist: Sie alle sind klein – der Bildschirm ist meist um die 10 Zoll groß – und sie alle sind mit einem Atom-Prozessor von Intel ausgestattet – ein besonders leistungsschwaches Modell von Intel, das auf das Stromsparen optimiert ist.

Margen zu gering für einen Nischenmarkt

„Netbooks hatten ein kurzes aber interessantes Leben“, schreibt der Guardian. „Sie entwickelten sich vom einstigen Retter der PC-Industrie zu nur einem weiteren falsch bepreisten Versuch, um stromsparende Intel-Chips voranzubringen und mehr Geld für Microsoft einzusammeln.“ Letztlich war der Preisunterschied zu den besser ausgestatteten Laptops nicht mehr groß genug und gleichzeitig die Marge für die Hersteller zu gering, um einen Nischenmarkt zu rechtfertigen.

Pionier Asus hatte für Ende 2012 das Ende der Eee-PC-Produktion angekündigt und auch Acer will aus dem Geschäft aussteigen, was die Taiwanesen im Gespräch mit dem Wall Street Journal im Herbst noch dementierten. Asus und Acer waren die einzigen beiden verbliebenen Netbook-Hersteller, nachdem sich zuvor unter anderem schon Samsung, HP und Dell aus dem Markt zurückgezogen hatten.

Meine mobile digitale Schreibmaschine bleibt

Ich persönlich bin mit meinem Eee-PC 1000H immer noch zufrieden. Für mich ist das Gerät perfekt als „mobile Schreibmaschine“ mit Internetzugang, wenn ich unterwegs bin. Wenn ich auf Außenterminen schnell etwas mitschreiben will, ist eine Tastatur unterlässlich – mein iPad kann da nicht mithalten. Als das Gerät nach zahlreichen Windows-Updates all zu langsam wurde, habe ich das Betriebssystem Windws XP durch Linux Mint ersetzt. Seit dem bin ich wieder rundum zufrieden mit meinem Netbook – auch wenn die Geräteklasse inzwischen tot ist.

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Kommentare (1 aus 1)

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    • [...] Der vielleicht wichtigste strukturelle Grund, der gegen ein Comeback des PCs spricht, ist die Tatsache, dass die Branche an Absatzzahlen gemessen wird, die in einer Zeit entstanden, in denen Netbook-Laptops boomten – Geräte, die für sehr wenig Geld verkauft wurden aber bei der Leistung Abstriche machten. Das Netbook hat deutlich an Popularität eingebüßt. [...]

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