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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Hardware-Frühindikator Hackerkongress

Das jährliche Hacker-Treffen des Chaos Computer Clubs – der 29. Chaos Communication Congress – ist vorbei. Wie immer ging es bei dem Treffen der deutschen Hackerszene um Technik, ihre Auswirkung auf die Gesellschaft und Politik.

Der 19C3 im Jahre 2002 war mein erster Chaos Communication Congress. Damals in Berlin wurde die Veranstaltung von Geräten eines Herstellers dominiert: die Laptops aus der Thinkpad-Reihe von IBM galten als Laptop der Wahl für alle, die auf Qualität achten und bereit sind, etwas mehr für ihre Hardware auszugeben.

In den folgenden Jahren wandelte sich das Bild auf den CCC-Veranstaltungen: Zu den Thinkpads gesellten sich immer mehr Apple-Geräte. 2001 hatte Apple mit Mac OS X ein Betriebssystem herausgebracht, das im Kern auf Unix basiert – eine bei Hackern besonders beliebte Plattform, die auf Netzwerke ausgerichtet ist. Der freie Unix-Nachbau Linux und die freien Unix-Varianten FreeBSD, OpenBSD und NetBSD sind bei Hacker besonders beliebt.

Weil Apple unter der bunten Oberfläche ein echtes Unix versteckte und die Hardware – insbesondere bei Laptops – als besonders zuverlässig galt, eroberte Steve Jobs‘ Firma in Windeseile die Hackerherzen. Egal bei welcher Veranstaltung aus dem Hackerumfeld – Apple-Laptops waren spätestens ab 2005 allgegenwärtig. Mit einigen Jahren Verzögerung wurden Apples Computer dann auch im Massengeschäft ähnlich erfolgreich wie bei den Hackern – heute werden so viele Macs verkauft wie nie zuvor. Hatten die Nerds in ihrem Umfeld Vorbildfunktion? Kaufte jeder das nach, was der Fachmann aus dem eigenen Freundeskreis schon hatte?

Wenn das so war, gibt es jetzt schlechte Nachrichten für Apple: Auf dem diesjährigen CCC-Treffen – dem 29C3 zehn Jahre nach meinem ersten Besuch der Besuch der Konferenz – waren die Geräte wieder deutlich weniger präsent. Die meisten Teilnehmer und Referenten nutzten wieder PC-Laptops, überwiegend mit Linux bestückt. Unter den Einzelmarken dürfte Apple zwar noch führen, auf einem sicheren Platz zwei landete dieses Jahr aber wieder die Thinkpad-Reihe, die schon 2002 so beliebt war – inzwischen im Besitz des chinesischen PC-Herstellers Lenovo.

Wenn die Kreise von Computer-Freaks also eine Art Frühindikator für den Hardwarekauf der Masse sind, dann müsste der Verkauf von Mac-Rechnern in den kommenden Jahren einbrechen. Vielleicht war die Korrelation in der Vergangenheit allerdings auch durch andere Faktoren  bedingt: die Hacker wollten das Unix in Mac OS X und der Otto-Normal-Bürger erhoffte sich einen PC, der so einfach zu steuern ist wie den iPod oder das iPhone, das er bereits von Apple kannte.

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