WSJ Blogs

Real-time commentary and analysis from The Wall Street Journal
WSJ Tech
Wie das Netz die Wirtschaft verändert

Diese Nachteile von Windows 8 sollten Sie kennen

Dass Microsoft mit Windows 8 die Oberfläche seines Betriebssystems radikal verändert hat, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Weniger bekannt ist allerdings unter anderem, was sich bei Lizenzen und Produktkeys ändern – mit weitreichenden Folgen für die Käufer.

1. Der Windows-Key hängt nun am Mainboard – mit allen Folgen

Hauptplatine kaputt – Lizenzschlüssel weg. So könnte man etwas verkürzt die neue Lizenzpolitik bei Windows 8 beschreiben. Ist Windows 8 nämlich auf einem PC vorinstalliert – eine sogenannte OEM-Version –, dann wird keiner der bekannten Aufkleber mit dem Code mehr mitgeliefert. Windows liest den Schlüssel einfach aus der Hardware aus.

Reuters
Microsoft-Chef Steve Ballmer während der Vorstellung von Windows 8 im November 2012 in Tel Aviv.

Vorteil für Microsoft: Eine Installation von Windows 8 auf weiteren Geräten sowie ein Gebrauchtverkauf der der Software wird verhindert. Portale wie Softwarebilliger.de hatten ein Geschäftsmodell daraus gemacht, gebrauchte Rechner in Massen aufzukaufen und die Software samt Lizenz-Key weiterzuverkaufen – legal, wie zuletzt der Europäische Gerichtshof in einem ähnlichen Fall entschieden hat.

Vorteil für den Kunden: Er muss den Lizenzschlüsel bei der Installation nicht mehr eingeben. Damit hat es sich jedoch auch mit den Vorteilen. Geht das Motherboard kaputt, ist damit auch der Schlüssel weg. Der Kunde ist nicht mehr frei, irgendein neues Mainboard zu kaufen, sondern muss das des ursprünglichen Herstellers nehmen. Gibt es das nicht mehr, hat der Kunde vermutlich Pech. Ebenso wird es komplizierter, wenn der Nutzer eine andere Windows-Version verwenden will als die mitgelieferte. Die Computerzeitschrift ct berichtet, dass dies nicht mit einer sauberen Neuinstallation möglich ist, sondern nur als Update von der vorinstallierten Version – was dann aber deutlich länger dauert als die normale Installation.

Nutzer können das alles durch das Ausführen eines kleines im Internet kursierenden Programms umgehen, das den Lizenzschlüssel ausliest – machen sich dann aber möglicherweise strafbar, schreiben die Rechtsanwälte Georg Mayer-Spasche und Marc Störing in der ct.

 

2. Es gibt wenig Gründe für Windows-Tablets

Microsofts Windows 8 gibt es in zwei Versionen für Tablets – und so richtig überzeugen können beide Varianten nicht. Tablets mit Windows RT sind vergleichbar mit dem iPad: Sie laufen wie der Marktführer von Apple auf einem stromsparenden ARM-Prozessor und können ebenso wie das iPad nur Software ausführen, die speziell für das Tablet geschrieben wurden – keine herkömmliche Windows-Software. Anders als beim iPad ist die Softwareauswahl bei Windows RT allerdings sehr begrenzt – und selbst Microsofts Office, das es für die RT-Variante von Windows in einer abgespeckten Variante gibt, wird es in Zukunft auch für das iPad geben.

Die andere Variante von Windows 8 für Tablets – ohne den Zusatz RT – ist dieselbe, die auch auf normalen PCs läuft. Der Vorteil: Diese Windows-Tablets, darunter das Surface Pro von Microsoft, können auch klassische PC-Software ausführen. Doch es zeichnet sich ab, dass diese Tablets andererseits kaum die Vorteile der Geräteklasse ausspielen können: Sie sind ähnlich teuer und schwer wie leichte Laptops und ihre Akkulaufzeit ist schwach.

Als Einstiegspreis nennt Microsoft für das kommende eigene Surface Pro einen Preis von 900 US-Dollar ohne Tastatur. Das Gerät soll 900 Gramm wiegen und ist damit – ohne Tastatur – schon nahe dran an Laptop-Leichtgewichten wie Apples Macbook Air, das mit 11-Zoll-Bildschirm etwa ein Kilogramm wiegt. Das Acer W700 soll 700 Euro kosten und das Samsung Ativ Smart PC Pro sogar 1300 Euro. In einer Nachricht auf Twitter ließ Microsoft durchblicken, dass das Surface Pro nur etwa die Hälfte der Akkulaufzeit des Surface mit ARM-Prozessor haben wird. Und selbst dessen Durchhaltevermögen ist mit sieben Stunden eher schlecht – ein iPad schafft rund zehn Stunden.

3. PC-Nutzer werden die neue Oberfläche überwiegend als Rückschritt empfinden

Microsofts Idee, ein System für Smartphones, Tablets und Desktop-PCs herauszubringen, erscheint auf den ersten Blick logisch – im Detail offenbaren sich aber viele Schwierigkeiten. So ist es auf Smartphones beispielsweise durchaus sinnvoll, Menüs vor dem Nutzer zu verbergen, wie es Windows 8 durch das Konzept der „Charms“ macht. Auf Tablets und gar PCs mit immer größeren Bildschirmen ist das jedoch ein Nachteil.

Der Usability-Experte Jakob Nielsen fand in Test heraus, dass viele seiner Probanden die Funktionen unter Windows 8 auch dann nicht aufriefen, wenn sie sich brauchten. Die Apps im neuen Gewand würden zudem viel weniger Informationen unterbringen als auf großen PC-Bildschirmen angemessen. Das vernichtende Fazit des Experten für Software-Design: Die neue Oberfläche sei „ein Monster, das arme Büroarbeiter terrorisiert und ihre Produktivität zerstört.“

4. Microsofts Windows verkauft sich gut – doch das ist nur die halbe Wahrheit

Windows 8 verkauft sich erstaunlich gut. In den ersten vier Wochen seit dem Verkaufsstart wurden laut der für Windows verantwortlichen Microsoft-Managerin Tami Reller 40 Millionen Lizenzen verkauft – mehr als im gleichen Zeitraum von Windows 7 im Jahre 2009. Eingerechnet sind dabei sowohl der Einzelverkauf als auch die Vorinstallation von OEM-Versionen auf PCs.

Dass sich das System so gut verkauft, dürfte vor allem an den aggressiven Rabattaktionen von Microsoft liegen. So bieten Mediamarkt und Saturn in ihren Filialen sogar die Pro-Version für nur 59 Euro an, als Download ist sie sogar für nur 29 Euro zu haben. Laut offizieller Preisliste sollte Windows 8 mindestens 279 Euro kosten.

Wie gut sich Windows 8 allerdings wirklich durchsetzt, wird erst ein Blick auf die Volumenlizenzen verraten, die an Unternehmen verkauft werden. Hierzu hat Microsoft bislang noch keine Auskunft gegeben. Bei Unternehmen wird angesichts des Bruchs mit der Windows-Tradition allergrößte Zurückhaltung gerechnet. Großkunden setzen immer noch überwiegend auf Windows XP von 2001, dessen Support in 15 Monaten wieder einmal auslaufen soll. Microsoft hatte die Frist schon mehrfach nach hinten geschoben. Erst langfristig wird sich zeigen, ob Unternehmen auf Windows 8  oder lieber mit dem Vorgänger Windows 7 auf ein Betriebssystem in der klassischen Windows-Tradition setzen.

Kommentar abgeben

Wir begrüßen gut durchdachte Kommentare von Lesern. Bitte beachten Sie unsere Richtlinien.

Kommentare (1 aus 1)

Alle Kommentare »
    • Sehr guter Bericht, der zusätzlich mit dem Link auf die Nielsen-Aussage gekrönt wird. Beide Artikel sprechen mir als sehr erfahrenen Windows-Anweder und IT-Spezialist zu 100% aus der Seele. Windows 8 ist in der PC-Version Absurdistan in Reinstform. Wie Nielsen zum Abschluss sagt: Windows 7 behalten und vertrauen, dass Windows 9 wieder zur Vernunft führt.

Über WSJ Tech

  • Apps, Crowdfunding, Cloud Computing – neue Technologien werfen die Regeln der Weltwirtschaft um. WSJ Tech erklärt technologische Trends, stellt interessante Entwicklungen vor und analysiert die wichtigsten Trends der IT-Wirtschaft.

    Die Autoren:

    Stephan DörnerStephan Dörner
    Jörgen CamrathJörgen Camrath
    Archibald PreuschatArchibald Preuschat