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Polizei warnt: Apple Maps kann lebensgefährlich sein

Dass Apple Maps nicht zu den Geniestreichen des Konzerns gehört, ist hinlänglich bekannt. Doch die missratene Karten-Applikation kann sogar potenziell lebensbedrohlich sein, weshalb die australische Polizei nun eine offizielle Warnung ausgegeben hat. Mehrere Touristen mussten aus dem Niemandsland gerettet werden, weil sie auf die Navigation des iPhones setzten.

Wenn Apple in Deutschland halb Berlin mal eben in Schöneiche umbenennt, ist das was zum Schmunzeln. In einem wenig dicht besiedelten Gebiet wie dem rund um die australische Kleinstadt Mildura im Bundesstaat Victoria allerdings können spontane Verlegungen von Orten durch Apple Maps lebensgefährlich werden.

Apple Maps hat Mildura mitten in einen Nationalpark verlegt – und damit um ganze 70 Kilometer verschoben. Ein Mann irrte deshab 24 Stunden ohne Zugang zu Wasser und Nahrung umher – bei einer Temperatur von bis zu 46 Grad Celsius. Mindestens drei weitere Personen mussten von der Polizei gerettet werden. Deshalb hat die örtliche Polizei nun eine offizielle Warnung herausgebe, wie unter anderem der britische Guardian und mehrere Blogs berichten.

Mindestens vier Menschen haben sich auf diese Weise bereits verirrt, bestätigte die Polizei dem Guardian. Laut einem Bericht von ABC News waren es sogar sechs.

Die Warnung ist weniger witzig, als es zuerst scheinen mag. Für die Verirrten bestand teilweise Lebensgefahr. „Es gibt dort kein Wasser und Sie können im Sand steckenbleiben“, zitiert die britische ZeitungToby Prime, Reporter bei der lokalen Tageszeitung Sunraysia Daily. Sollte etwas Ähnliches in den USA passieren, könnten auf Apple teure Klagen zukommen, merkt der Guardian an.

Screenshot
Das australische Mildura befindet sich nicht, wie hier gezeigt, mitten in einem Nationalpark.

Spätestens mit diesem Fall sollte klar sein: Wer in Gebiete abseits der Zivilisation aufbricht, sollte sich niemals nur auf eine Navigationslösung verlassen. Allerdings hilft es auch nicht unbedingt, eine Alternative wie Nokia Here Maps oder Google Maps, das es derzeit nur als Web-Applikation für das aktuelle iPhone-System gibt, parallel zu nutzen. Viele Fehler tauchen nämlich gleich in mehreren Navigationslösungen auf.

Apple wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Apple-Chef Tim Cook hatte sich Ende September bei den Kunden für Apple Maps entschuldigt und auf Konkurrenten wie Google und Nokia verwiesen. In der Folge mussten zwei Apple-Mitarbeiter gehen, die für Apple Maps Verantwortung trugen: Top-Manager Scott Forstall  und Softwareentwickler Richard Williamson.

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