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Wie das Netz die Wirtschaft verändert

John McAfees peinlicher iPhone-Patzer

dapd
John McAfee in Belize auf einem Archivbild vom 8. November 2012. Der Antivirenspezialist ist auf der Flucht.

Gäbe es ein Buch über die Geschichte des Sicherheitsspezialisten John McAfee, gälte dieses wohl als sensationsheischender und unrealistischer Groschenroman. Es ist die Geschichte eines genialen und millionenschweren IT-Unternehmers, der in einem kleinen Land in Mittelamerika wegen eines Mordes als Zeuge gesucht wird – selbst aber an eine Verschwörung glaubt und flüchtet, weil er befürchtet, sonst von der angeblich korrupten Polizei erschossen zu werden.

Auf seiner Flucht wird McAfee von Journalisten des Lifestyle-Magazins Vice begleitet – und die haben ihn dabei auch mit dem iPhone fotografiert und das Foto veröffentlicht. Wer sich ein bisschen mit Smartphones und Fotografie auskennt, weiß, dass solche Aufnahmen mehr verraten, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. In den Metadaten im Exif-Format sind allerlei Zusatzinformationen gespeichert, die etwas über die Entstehung des Fotos verraten. Die Informationen wie das Aufnahmegerät, Uhrzeit – und beim iPhone auch die mittels GPS erfassten Geoinformationen – lassen sich mit entsprechenden Kenntnissen aus den Dateien herauslesen. Kostenlose Online-Tools wie Foto Forensics können das Auslesen und Aufbereiten der relevanten Informationen auch bequem übernehmen.

Durch das von Vice-Journalisten veröffentlichte iPhone-Foto wurde der Aufenthaltsort von McAfee, der kleine karibische Touristenort Río Dulce in Guatemala, klar. Wie Golem.de berichtet, hatte der Webentwickler und Start-up-Unternehmer Ken Westin die Exif-Daten mit dem Tool Exifscan ausgelesen und auf seinem Blog veröffentlicht.

Offensichtlich hat also selbst der Experte McAfee nicht an das Sicherheitsrisiko gedacht, sich mittels iPhone-Kamera ablichten zu lassen. Schnell reagierte McAfee dem Golem-Bericht zufolge mit einer Notlüge: „Für meine eigene Sicherheit habe ich die XIF-Daten in dem Bild manipuliert.“ Das Magazin reagierte darauf mit offenen Worten: „Ehrlich gesagt haben wir keine verdammte Ahnung, was gerade passiert.“

Die Notlüge von der Manipulation des Fotos hat McAfee inzwischen wieder gelöscht. Dafür gibt es nun ein neues Statement im Blog, das die Schuld für die Entlarvung des Aufenthaltsorts auf das Magazin Vice schiebt: „Die Vice-Magazine-Reporter sind wirklich mit mir in Guatemala. Gestern war ein schwieriger Tag, weil versehentlich durch einen unerfahrenen Techniker am Vice-Hauptsitz meine exakten Aufenthaltsdaten veröffentlicht wurden“, schreibt McAfee jetzt.

Der Antivirus-Pionier McAfee wird im Zusammenhang mit einem Mordfall von der Polizei in Belize gesucht. Der Baulöwe Gregory Faull, ein Nachbar des Softwarespezialisten, wurde mit einem Kopfschuss getötet. Offiziell wird McAfee als Zeuge und nicht als Verdächtiger gesucht. McAfee und Faull sollen zuvor im Streit gelegen haben. Sollte er zu einem Verhör nach Belize zurückkehren, fürchte er, getötet zu werden, sagte John McAfee am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. In einem Eintrag in seinem Blog richtete er sich am Dienstag direkt an die Hinterbliebenen des Toten: “Ich habe mit seinem Tod nichts zu tun. Ich habe in meinen 67 Jahren fünf enge Familienangehörige verloren und verstehe euer Leid.”

Der exzentrische Softwareunternehmer hält sich derzeit in einem Hotel in Guatemala-Stadt auf und hat nach eigenen Angaben auf seiner Internetseite den früheren guatemaltekischen Generalstaatsanwalt Telésforo Guerra als Anwalt engagiert.

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