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Der kleine Seitenhieb der EZB

Die Europäische Zentralbank bewirbt den neuen Zehn-Euro-Schein mit einem kleinen Video in allen Sprachen der Eurozone.  Und was fällt der EZB zu Europa und seinem Geld ein?

„Fühlen, sehen, kippen“, empfiehlt sie in ihrem Video. Dann sehen wir uns das einmal an:

Ein kleines Mädchen kauft auf dem Jahrmarkt eine Riesenportion Zuckerwatte, ein älterer Herr übergibt einen Blumenstrauß an seine verehrte Frau, der junge Holländer investiert die zehn Euro in sein erstes Date, für die italienische Kellnerin gibt es ein großes Trinkgeld, für den französischen Jugendlichen ein Taschengeld, der deutsche Bub steckt den Schein ins Sparschwein, der spanische Rentner am See gönnt sich ein gutes Buch und die irische Mutter leistet sich ein tolles Abenteuer mit ihrer Tochter.

Haben Sie es gemerkt? In allen europäischen Ländern werden die zehn Euro ausgegeben, verdient oder investiert, nur der kleine Michel in Deutschland spart das Geld.

Selbst in einem solchen trivialen Film schafft es die EZB, ihre Botschaft unterzubringen: In der Krise muss das Geld umlaufen, Sparen ist jetzt nicht das Gebot der Stunde. Nur einer tanzt aus der Reihe.

„Fühlen, sehen, kippen“ – mit dem Strafzins fürs Sparen hat die neue Macht am Main ihre Philosophie schon ganz deutlich gemacht – da hätte es dieses Video eigentlich gar nicht mehr gebraucht. Oder anders gesagt: Wer den Strafzins der EZB hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Aber wer zuletzt lacht, der lacht am besten – schließlich zahlt der kleine Michel die zehn Euro nicht auf ein Bankkonto, sondern steckt es in sein Sparschwein. Dort ist das Geld vor dem Strafzins sicher.

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Kommentare (3 aus 3)

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    • ECB, Wall Street (Journal),

      rest assured: Die Deutschen ficken Euch zurück.

      I promise. Go perish. :-)

    • Ich fürchte,ich muss ausnahmsweise mal einen wenig feinen Kommentar abgeben,wenn ich zum Artikel,sorry,sage:So ein Geschwätz!Ganz abgesehen davon,dass sich auch die irische Mutter samt ihrer Tochter für diesen Minibetrag kein großes "Abenteuer" mehr leisten kann.Europa könnte im Grunde froh sein,dass die Deutschen - noch - so viel sparen.Damit können sie wohl noch eine Weile,als unbestritten größter Beitragszahler,die Resteuropäer alimentieren.Das dürfte das "wall Street Journal" doch freuen...

    • Das bezieht sich auf die Gemeinschaftswährung insgesamt:

      Fühlen, wie es bergab geht - sehen, daß der Wohlstand schwindet - dann kippt die ganze Währung in die Tonne.

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