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Bayern schaffen 111 Prozent Wahlbeteiligung

Solche Zahlen ist man eigentlich nur aus postkommunistischen Ländern gewohnt, aus Pakistan wurde auch einmal ein Fall gemeldet: eine Wahlbeteiligung von mehr als 100 Prozent. Die Gemeinde Emtmannsberg in Oberfranken schaffte am Sonntag laut vorläufigem Ergebnis allerdings nicht nur 100 Prozent Wahlbeteiligung, auch nicht 105 Prozent, sie erreichte sage und schreibe 111,09 Prozent.

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Eine Wahlbeteiligung von über 100 Prozent: Das gibt es sonst nur in postkommunistischen Ländern.

Nur ein Schelm darf vermuten, die allmächtige CSU habe aus dem Nirgendwo weitere Wähler hinzugezaubert. Es handelte sich um eine Kombination aus Softwarefehler und menschlicher Unzulänglichkeit, wie Regierungsdirektor Matthias Kerling dem Wall Street Journal Deutschland auf Anfrage mitteilte.

Kerlings ausführliche Erklärung stramm zusammengefasst, spielte sich die Sache so ab: Das Landratsamt Bayreuth hatte den Briefwahlvorstand in Emtmannsberg beauftragt, die Briefwahlunterlagen der Gemeinden Kirchenpingarten und Seybothenreuth für die Landtagswahl und die Bezirkswahl am 15. September mit auszuwerten. Bei der Gemeinde Emtmannsberg wurden dann aber sämtliche 497 Briefwahlunterlagen der drei Gemeinden erfasst, die anderen beiden gingen faktisch leer aus, was zu der Anzahl von 952 “Wählern” führte. Die Zahl der Wahlberechtigten (857) sei dagegen die korrekte Zahl für die Gemeinde Emtmannsberg, erklärte Kerling.

Die Darstellung beruhe zudem auf einer Software der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB), die “eine solche Konstellation nicht beziehungsweise nur unzulänglich abzubilden” vermöge. Das amtliche Endergebnis, beruhigte Kerling, werde neben der Zahl der Wahlberechtigten dann auch die Zahl der tatsächlichen Wähler in dieser Gemeinde korrekt wiedergeben und somit auch die Wahlbeteiligung.

Allerdings war das fantastische Ergebnis noch am späten Nachmittag auf der Homepage des Landkreises Bayreuth, zu dem die Gemeinde Emtmannsberg gehört, nachzulesen. Und überhaupt: Es wurden schon Wahlen für weniger angefochten.

 

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Kommentare (2 aus 2)

Alle Kommentare »
    • Iwe bei der Bundestagswahl :-)

    • In der Tat stellt die Anfechtung der Wahl eine Gefahr für deren Wirksamkeit dar.
      Ob es hier in Bayern dazu reicht, wird man erst nach dem Versuch wissen.

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