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Die Telekom, die Bayern und das Problem mit Wimbledon

Da soll noch mal jemand sagen, Fußball verbinde die Menschen. Die Aktionäre der Deutschen Telekom hat er auf der Hauptversammlung diese Woche gespalten. Na ja, nicht der Sport an sich, sondern der FC Bayern.

Seit Jahren wirbt der ehemalige Staatskonzern auf den Brüsten der Kicker aus München. Die spielen gut, aber das gefällt nicht allen Aktionären. Denn das Sponsoring ist nicht ganz billig.

AFP
Xherdan Shaqiri jubelt – so wie die Bayern es fast die ganze Saison über taten. Beim Sponsor Telekom finden aber nicht alle Aktionäre die Bayern toll.

Medienberichte, wonach sich die Telekomden FC Bayern im Jahr zwischen 20 und 25 Millionen Euro kosten lässt, bezeichnete Telekom Boss Rene Obermann als „nicht ganz falsch“. Die genaue Summe taucht im Telekom-Geschäftsbericht nicht auf.

Bayern spalten die Nation und die T-Aktionäre

„Warum werben sie bei einem Fußball-Verein, für den  die halbe Nation ist, der aber auch die halbe Nation gegen sich hat?“, fragte ein Aktionär. Im Plenum der jetzt von der Bayer-Abspaltung Lanxess gesponserten ehemaligen Köln-Arena kam aber auch die Sinnfrage: Die Marke Telekom sei bei jedem Deutschen bekannt, da könne man auf Sponsoring ganz verzichten. Außer man wolle sich im Glanze der Sportler sonnen.

Da hat sich die Telekom mit den Bayern natürlich das  richtige Team ausgesucht, spielen sie derzeit doch mit den besten Fußball in Europa. Wäre da nicht der Präsident des Vereins, der – vorsichtig ausgedrückt – seiner Steuerpflicht nicht vollumfänglich nachgekommen ist. Das färbt jetzt auch auf die Telekom ab. Denn im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt kein geringerer als der designierte Telekom-Boss und derzeitige Finanzvorstand Timotheus Höttges.

„Welche Herren des Vorstandes werden denn in Wimbledon dabei sein?“, fragte  ein Aktionär, dem angesichts der in Rede stehenden Millionen-Beträge wohl so schwindelig wurde, dass er Wettkampstätten und Sportarten durcheinander brachte.

Wimbledon, Wembley? Egal: Höttges fährt hin

Den Fauxpas hätte Höttges leicht mit der Rückhand wegschlagen – äh, mit links wegflanken können. Aber das wäre nicht die Art des Zwei-Meter-Mannes aus dem Bergischen Land. „Sie meinen sicherlich  Wembley. Da gibt es bei der Telekom ganz strenge Compliance Regeln,“ setzte Höttges an, um dann ohne Luft zu holen den Satz weiterzuführen: „Ich werde da sein, in meiner Eigenschaft als Aufsichtsrat des FC Bayern.“

Das ergibt Sinn. Schließlich haben die Bayern allein in diesem Jahrzehnt das Finale zwei Mal versemmelt,  im vergangenen Jahr sogar im eigenen Stadion. Da sollte der Aufseher der Bayern diesmal ganz genau hin sehen.

 

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Kommentare (1 aus 1)

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    • Um was man sich so Sorgen macht ;-) Ich finde es keinesfalls schlimm, dass die Telekom Bayerns Sponsor ist, auch wenn ich kein Bayern Fan bin. Und nicht die halbe Nation ist dagegen. Vielleicht sind die Leute einfach nicht für Bayern? ;-)

      LG

      Boris
      http://hundefuttertests.de/

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