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Ein Clown, wer Böses dabei denkt

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist wieder einmal über sein loses Mundwerk gestolpert. Beim Blick auf das Ergebnis der Parlamentswahl in Italien fiel dem SPD-Politiker nur eins ein: Da haben “zwei Clowns” gewonnen. Gemeint waren die Protestbewegung des Komikers Beppe Grillo und Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der im Senat die meisten Sitze gewonnen hat und damit eine Regierungsbildung verhindern kann. Einer, so sagte der Ex-Finanzminister, sei “ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt”. Der andere aber sei Berlusconi, “ein Clown mit einem gewissen Testosteronschub”. Entrutscht sind Steinbrück die bösen Lästereien bei einem Besuch in Potsdam, bezeichnenderweise auf einer Veranstaltung mit dem Titel “Klartext”. Sein Sprecher Michael Donnermeyer bestätigte die Aussagen.

Ein dummer Zufall nur, dass Staatspräsident Giorgio Napolitano, der als graue Eminenz in Italien gilt, gerade auf Deutschland-Besuch weilt. Das Verhältnis des 87-Jährigen zum exentrischen Ex-Regierungschef Berlusconi gilt zwar seit jeher als angespannt. Doch das demokratisch zustande gekommene Votum der Bürger derart diskreditieren zu lassen, ging wohl auch Napolitano zu weit. Kurzerhand ließ der Präsident ein seit langem für Mittwoch im Berliner Hotel Adlon vereinbartes Abendessen mit Steinbrück absagen. Auch wenn es von der italienischen Botschaft dafür offiziell keine Gründe gab, darf wohl ein Zusammenhang zu den “Clown”-Äußerungen angenommen werden.

Nun ist es sicher so, dass sich auch in Deutschland nach dem italienischen Wahlergebnis Katerstimmung breit gemacht hat. Und bestimmt wird Steinbrück so manchem Politiker aus dem Herzen gesprochen haben. Der Unterschied ist nur: Steinbrück hat seinen Unmut wieder einmal öffentlich kund getan – und offenbart damit ein merkwürdiges Rechtsverständnis von Wahlausgängen. “Clown ist das Mildeste, was mir persönlich zu Berlusconi in diesem Zusammenhang einfällt”, hatte Steinbrück in Potsdam gepoltert.

Nicht das erste internationale Fettnäpfchen von Steinbrück

Auch in der SPD schüttelt so mancher den Kopf über Fettnäpfchen-König Steinbrück. Nicht zum ersten Mal sorgt er für diplomatische Verwicklungen. Schon als Bundesfinanzminister wollte Steinbrück 2009 im Streit über das schweizerische Bankgeheimnis die siebte Kavallerie von Fort Yuma über die Alpen zu den Eidgenossen schicken und sorgte damit für einen veritablen Eklat. Jüngst bezeichnete der SPD-Kanzlerkandidat das hoch verschuldete Zypern als “Geldwaschanlage” und schlug vor, Klaus Störtebeker “rüberschippern” zu lassen. Auch mit der eigenen Partei geht er alles andere als zimperlich um. Die Parteilinken sind “Heulsusen” und auch bei seiner Nebeneinkünfte-Debatte goss der Kanzlerkandidat beständig Öl ins Feuer.

Bis zur Bundestagswahl sind es noch rund sieben Monate. Viel Zeit für den SPD-Kanzlerkandidaten also, um auf dem diplomatischen Parkett erneut ins Trudeln zu geraten.

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Kommentare (5 aus 6)

Alle Kommentare »
    • Mehr denn je bin ich gegen Peer Steinbrück. Wer Regierungschef von Deutschland werden will, darf sich nicht in Europa überall Feinde machen. Wer sein Mundwerk
      nicht beherrschen kann, muss auf eine Führungsposition verzichten, denn er
      repräsentiert unser Land. Ich lebe im Sommer in Italien und werde in meinem Umfeld versuchen, diesen unbedachten Aussagen von P.S. zu revidieren. Mehr kann ich leider nicht tun. Ach doch, wählen werde ich P.S. selbstverständlich nicht.
      Freundlicher Gruß
      Eva Maria Mayr

    • Dieser Steinbrück! Noch ein paar Kommentare dieses Kalibers – und ich wähl SPD

    • was ist bei steinbrück aggressiv ? erhat recht höflickeit ist nicht angebracht

    • steinbrück hat recht wir müssen ihn unterstützen , nicht schweigen oder nörgeln

    • Erschreckend diese demagogischen Züge einer aggressiven Sprache des Menschen, der die Nation zu führen beabsichtigt. Und erkennt man nicht, dass man selbst im Glashaus der politischen Clownerie sitzt. Höflichkeit und Stil haben schon immer mehr gebracht als dumpfer Populismus.

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