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Merkel und Steinbrück schlagen den Raab

dapd

Das verspricht ein Spaß zu werden. Das TV-Kanzlerduell vor der Bundestagswahl als große Unterhaltungsshow mit dem Moderator und Entertainer Stefan Raab, frei nach dem Motto: Merkel schlägt den Steinbrück und Steinbrück gleich zurück – oder besser noch: Zusammen schlagen sie den Raab.

Jetzt hat auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück eingelenkt und seine anfängliche Ablehnung Raabs als einer der Moderatoren für das Kanzlerduell aufgegeben. Anfangs hatte Steinbrück noch argumentiert, Politik sei keine Unterhaltungssendung, sondern ein “ernstes Geschäft”, und Stefan Raab sei darüber hinaus kein politischer Journalist. Jetzt zeigte sich Steinbrück bereit, ein solches Duell auch mit einem Moderator Raab zu bestreiten. “Wenn Angela Merkel dann auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen”, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der Bild-Zeitung.

Die Debatte um die Moderatorenauswahl bereits sieben Monate vor dem Duell führt deutlich vor Augen, dass es in diesem Wahlkampf längst nicht vorrangig um Inhalte und um die Personen gehen wird, die diese Inhalte glaubwürdig vertreten. Dass über die Rolle von Stefan Raab so lange und intensiv diskutiert wird, lässt die Banalisierung der Politik befürchten.

Raab ist mit Sendungen wie “Schlag den Raab”, “TV Total” und “Wok-WM” erfolgreich, und nicht zuletzt hat er Lena als Deutschlands Star beim Eurovision Song Contest promotet. Er selbst trat dort einmal mit dem inhaltsschweren Song “Wadde hadde dudde da” auf.

Raab mag selbst versichern, er wolle – falls er als Moderator ausgewählt werde – aus dem TV-Duell “gar keine Unterhaltungsshow machen, sondern nur für Pro Sieben Sat.1 am journalistischen Katzentisch Platz nehmen und Fragen beisteuern”. Es ändert nichts daran, dass seine Person mit Klamauk, Sarkasmus und Entertainment verbunden wird.

Wenn jetzt also die Politik Raab überhaupt dem Kreis derjenigen Moderatoren zurechnet, die bei einem solchen Duell der Kanzlerin und dem Herausforderer die Fragen stellen, dann leistet die Politik selbst einer Entwicklung Vorschub, die den Unterhaltungswert gegenüber dem Informationswert in den Vordergrund rückt.

Die mediale Inszenierung wird bereits zu einem Zeitpunkt im Detail diskutiert, an dem die Parteien weder ihre Parteiprogramme festgeschrieben noch ihre Wahlkampfmannschaften vollständig aufgestellt haben. Es scheint, als sei inzwischen jedes Mittel recht, um den politikverdrossenen Bürger zu erreichen. Der Event-Gesellschaft sollen immer unterhaltsamere, besser inszenierte Fernsehformate angeboten werden – die Inhalte rücken in den Hintergrund, was zählt, ist die Inszenierung. Die Politik begibt sich damit in den Sog angestrebter Einschaltquoten und räumt dies sogar ein.

Der Vorschlag für Raab kam von Bayerns Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der so mehr junge Menschen für Politik begeistern will. Die absolute Zahl der Nichtwähler habe sich über den Zeitraum der vergangenen drei Bundestagswahlen fast verdoppelt. Damit dürfe man sich nicht abfinden. “Da liegt es nicht fern, auch an Moderatoren zu denken, die die Jugend erreichen”, begründete Stoiber seinen Vorstoß.

Politik hat im Fernsehen an Bedeutung gegenüber der ausufernden Unterhaltung verloren. Es ist jedoch fraglich, ob es gelingen kann, diesen Bedeutungsverlust über eine lockerere und unterhaltsamere Präsentation auszugleichen. Und noch fraglicher ist, ob gerade das TV-Duell von Kanzlerin und Herausforderer sich dafür eignet.

Politische Inszenierungen hat es immer gegeben. Doch wenn es nun Aufgabe von Entertainern werden soll, die Politikvermittlung zu übernehmen, dann erscheint das der sachlichen Beschäftigung mit Themen und Personen nicht angemessen. Es besteht die Gefahr, dass das Format an Seriosität und Akzeptanz einbüßt. Das gefährdet die Glaubwürdigkeit der Politik insgesamt. “Wadde hadde dudde da, Frau Merkel?“ – zu dieser Frage sollte es daher nicht kommen.

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Kommentare (5 aus 5)

Alle Kommentare »
    • Gott bewahre uns vor solchem Klamauk. Steinbrück mag es ja angemessen sein. Diese Politclowns
      wie Raab und Steinbrück, ev, noch Gabriel werden doch überproduziert von Illner, Will, u.u.u. mit
      unsrem Zwangsbeiträgen im öffentlich, linkslichem Fernsehen. Ich tue mir das schon lange
      nicht mehr an, denn es ist vertane Zeit..

    • Raab könnte den Beitrag senden,den Gewinn durch hohe Einschaltquote spenden! Wäre doch mal was anderes als Steinbrücks Spenden oder weiss nicht spenden?

    • Raab könnte den Beitrag senden,den Gewinn durh hohe Einschaltquote spenden! Wäre doch mal was anderes als Steinbrücks Spenden oder weiss nicht spenden?

    • Armes Deutschland,vielleicht schickt das ZDF Cindy aus Marzahn

    • Raab hat schon genug Sendungen, wo er sich Profilieren kann. Bei eine Politische Fernsehduell ist er ohne zweifel fehl am Platz!

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