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Die olle Spree rostet

Früher, da war die Berliner Wasserwelt noch in Ordnung. „Ja, käm´s Berliner Kind hinaus ins Glücksland ohne Weh, es kehrt zurück ins Vaterland am grünen Strand der Spree“, heißt es einem Volkslied. So richtig sauber ist die Spree in der Hauptstadt schon lange nicht mehr, aber immerhin springen ab und an betrunkene Touristen kopfüber in die Fluten, während die Einheimischen an künstlich mit Sand  aufgeschütteten Strandbars genüsslich ihren Cocktail schlürfen und sich über die Aussicht freuen. Mit der Idylle könnte es jedoch bald vorbei sein, denn vom Eisenocker eingefärbte Fluten aus Brandenburg drohen der Spree den Garaus zu machen. Die Grünen im Bundestag machen die rot-braune Brühe jetzt sogar zum Politikum.

dapd
Kahnfährmann Roland Scherz fährt im Naturhafen Ragow/Lübbenau mit seinem Kahn durch die rostbraune Spree.

Es sind wohl vor allem die Hinterlassenschaften des Bergbaus, die zur Verfärbung der Spree führen. Experten sprechen von einer „Verockerung der Spree“, man kann auch einfach sagen: Die olle Spree rostet. Mit der Entrostung ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) befasst. Das Unternehmen ist grundsätzlich für die Sanierung der stillgelegten Tagebaue und Veredlungsbetriebe zuständig und hilft Hausbesitzern zur „Gefahrenabwehr beim Grundwasserwiederanstieg“ auch schon mal, ihr schmuckes Eigenheim in die Höhe zu hieven.

Bei der Spreerettung hatten sich die Verantwortlichen zunächst verhoben, eine Studie zu dem Rostproblem wurde erst unter Verschluss gehalten, auf öffentlichen Druck hin jetzt aber veröffentlicht. Bei Sätzen wie „Das Grundwasser des Untersuchungsgebietes ist mit einer mittleren Säurekapazität KS4,3 überwiegend zwischen 0,0 und 0,5 mmol/L im unbelüfteten Zustand natürlicherweise nur schwach gepuffert“ hätte man sich die Veröffentlichung auch sparen können. Immerhin schimmert auf den fast 380 Seiten der Studie zwischen Diagrammen und Fachchinesisch auch für den Laien erkennbar durch: Die Sanierung der Spree ist schwierig, und sie dürfte vor allem sehr teuer werden.

Bollwerke müssten unter anderem neu gebaut oder verstärkt werden, um die Ausbreitung der schmutzigen Brühe zu verhindern. Von mehreren Millionen Euro Steuergeldern an Kosten ist die Rede. Noch ist der rotbraune Schlamm nicht im inneren Spreewald angekommen. Das wäre eine Katastrophe für den Tourismus, tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Politisch ist die ganze Sache brisant. Das einschlägig vorbelastete Brandenburg will ungerne mit einer braunen Brühe in Verbindung gebracht werden, selbst wenn diese einen Rotanteil hat. Und Regierungschefin Angela Merkel von der CDU wäre wohl wenig erfreut, flösse plötzlich rot-braunes Wasser an ihrem Kanzleramt vorbei. Da ist es dann gemäß politischer Farblehre durchaus passend, dass ausgerechnet die Grünen die rot-braune Pest zum Anlass nehmen, im Bundestag eine Kleine Anfrage an die schwarz-gelbe Regierung zu stellen.

Am Valentinstag wurde die Anfrage veröffentlicht, stolze 20 Fragen wollen die Öko-Parlamentarier beantwortet haben. „Welche Maßnahmen müssen aus Sicht der Bundesregierung gemeinsam mit den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg eingeleitet werden, und auf welche Art und Weise kommen die erforderlichen Abstimmungen zustande?“, möchten die Grünen unter anderem wissen.

So einfach kommt der Bund aus der Sache nicht raus. Der Staat ist Anteilseigner der LMBV, Aufsichtsratsvorsitzender ist Ministerialrat Bernd Hartmann aus dem Bundesfinanzministerium. Völlig unbestätigt sind allerdings Gerüchte, Finanzminister Wolfgang Schäuble habe den Bau eines Systems zur Filterung des Eisens angeregt, um mit dem Erlös des Rohstoffverkaufs die Haushaltssanierung voranzutreiben. Von 2.500 Tonnen angeschwemmten Metalls jährlich ist in Medienberichten die Rede. Je nach Güte des Materials lassen sich damit zwischen einer halben und einer Million Euro erzielen. Keine große Summe, aber – wer rastet, der rostet – ein erster Schritt.

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    • Fakt ist auch, dass die Spree und der Spreewald in dieser Situation auf die aufbereiteten Sümpfungswässer des aktiven Bergbaus in qualitativer und quantitativer Hinsicht mehr als sonst angewiesen sind. Da es die Eisenbelastung derzeit eindämmt und komplette Teileinzugsgebiete der Niederung versorgt. Ein funktionierendes System, zwar vor Jahrzehnten auch bergbaubedingt eingeführt - derzeit jedoch unverzichtbar, sich gegen ähnliche Situationen zu wappnen.

    • Hinzuweisen wäre auf die Rolle des Energiekonzerns Vattenfall, der fünf Braunkohlentagebaue in der Lausitz betreibt. Die tragen zwar bisher noch wenig zur Eisenbelastung bei. Doch wenn später auch dort das Grundwasser wieder ansteigt, verursachen sie dieselben Probleme wie die stillgelegten DDR-Tagebaue heute. Jeder neue Braunkohlentagebau verlängert das Problem um Jahrzehnte.

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