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Der joviale Herr Müller

  • Kommentar

Es gibt kein Thema, das Klaus-Peter Müller ins Schwitzen bringen könnte. Der umtriebige, bestens verdrahtete Ex-Chef der Commerzbank ist ein Meister des richtigen Tons. Wie geschickt er sich anstellt, hat er bewiesen, als er geräuschlos den Stuhl des Vorstands mit dem des Aufsichtsratschefs austauschte. Das ist besonders bemerkenswert, weil der Rheinländer ganz nebenbei auch die Kommission für gute Unternehmensführung leitet. Ob es gute Unternehmensführung ist, die eigenen Entscheidungen zu bewachen, das ist – nun ja – umstritten.

Während Josef Ackermann nach eigenen Worten „keine Lust“ hatte, mit Investoren der Deutschen Bank über die Regeln der guten Unternehmensführung zu diskutieren, und es vorzog, sich von seinem Traum, an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln, zu verabschieden, ist Müller da ganz anders.  Sicher haben die Investoren auch ihm Fragen gestellt. Doch Müller hat einen großen Vorzug: Er lässt nichts an sich ran.

Sein Spitzname lautet nicht umsonst: der Teflon-Banker. An Teflon bleibt nichts hängen.

Bei kritischen Fragen, auch von Journalisten, runzelt er nur leicht mit der Stirn, um dann mit Inbrunst seine Haltung als den einzig richtigen Weg zu verteidigen. Müllers wahre Kunst besteht dahin, dass am Ende alle zufrieden nach Hause gehen.

Doch diesmal ist der Karnevalfan zu weit gegangen. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche lässt er als Chef-Kontrolleur der Commerzbank nicht nur die Muskeln spielen, indem er den krisengeplagten Vorstandschef Martin Blessing vor Misserfolgen beim Umbau der Bank warnt. Nein, er verteidigt den verlustreichen Kauf der Dresdner Bank gar als richtig.

„Ich würde die Dresdner Bank heute wieder kaufen, denn die Fusion wird sich im historischen Rückblick als strategisch richtig für die Commerzbank erweisen“, sagt Müller. Und räumt dann mit Nonchalance ein: „Es dauert allerdings länger als gedacht, bis die Übernahme sich voll auszahlt.“

Wann genau sich die Dresdner-Übernahme überhaupt auszahlen wird, steht in den Sternen. Hier die Fakten: Müller hatte die Milliardenübernahme der längst kriselnden Allianz-Tochter eingefädelt, als der Sturm der Finanzkrise bereits wütete.  Kurze Zeit nach dem Deal musste die Commerzbank vor dem Zusammenbruch vom Staat gerettet werden. Insgesamt erhielt sie 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe. Seitdem hält der Staat einen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie. Für die Steuerzahler jedenfalls hat sich das Investment nicht ausgezahlt. Sie dürfen für 2012 erstmals mit einer Zinszahlung rechnen.

Was haben die Mitarbeiter von der Übernahme gelernt: 9.000 Mitarbeiter mussten gehen. Jetzt kommt der Abbau von bis zu 6.000 Stellen hinzu.

Und was hat Müller daraus gelernt? Offenbar nichts.

Mitarbeit: Ulrike Dauer

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Kommentare (1 aus 1)

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    • dann runzelt mal schön weiter

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