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Hätte der Aktienkurs das letzte Wort

Reuters
Muss enttäuschende Gewinnzahlen bekannt geben. Dieter Zetsche, Chef von Daimler.

Überzeugend sieht anders aus. Dass Daimler 2012 so viele Pkw und Lkw wie nie zuvor verkauft und den Umsatz gesteigert hat, hört die Börse sicher gerne. Was sie aber gar nicht hören mag und Daimler-Aktionäre schon gar nicht: Der operative Gewinn konnte mit der Umsatzentwicklung nicht Schritt halten und hat nachgegeben, auch wenn sich 8,1 Milliarden Euro als reines operatives Ergebnis eindrucksvoll lesen.

Damit nicht genug: Auch 2013, dem Jahr, in dem die zweite Amtszeit von Daimler-Chef Dieter Zetsche endet und eine dritte folgen soll, rechnen die Stuttgarter mit einem stagnierenden Ertrag. Zetsche, über dessen Vertragsverlängerung der Aufsichtsrat am 21. Februar befindet, zeigte sich selbst auch nur bedingt zufrieden und sprach von “erkennbarem Verbesserungspotenzial”.

In der Tat sieht eine Erfolgsbilanz anders aus, erst recht, wenn man den Aktienkurs sprechen lässt: Zum Amtsantritt von Zetsche als Vorstandschef des Konzerns im Januar 2006 kostete eine Daimler-Aktie 35,62 Euro. Heute steht sie bei 44 Euro. Das entspricht ohne Berücksichtigung der in diesen sieben Jahren Amtszeit ausgeschütteten Dividenden einem Plus von gut 23 Prozent, oder einer Rendite von rund 3 Prozent pro Jahr.

So weit so mager. Vergleicht man die Kursentwicklung der Daimler-Aktie in der Ära Zetsche aber mit den Kursverläufen von BMW oder gar VW, sieht die Bilanz endgültig trostlos aus. Die BMW-Aktie steht heute im Vergleich zum Jahresbeginn 2006 fast 120 Prozent höher, bei der VW-Aktie sind es sogar 535 Prozent. In Rendite ausgedrückt: Die BMW-Aktie warf jährlich knapp 12 Prozent Rendite ab, die VW-Aktie satte 30 Prozent.

Und auch im Vergleich zum europäischen Autosektor insgesamt fährt Daimler weit hinterher. Der Branchenindex, der sowohl die Automobilbauer wie auch die Zulieferer enthält, ist in dieser Zeit um 54 Prozent gestiegen, was einer jährlichen Rendite von immer noch 6,3 Prozent entspricht.

Als Empfehlungsschreiben taugt die Kursentwicklung der Daimler-Aktie also eher nicht, wenn der Aufsichtsrat darüber entscheidet, ob Zetsche eine dritte Chance als Daimler-Chef bekommt. Dabei hatte die Börse auf die ihr eigene Weise den Wechsel in der Führungsspitze bei Daimler 2005 noch euphorisch bejubelt.

Als Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp im Juli 2005 nämlich überraschend seinen vorzeitigen Abschied ankündigte, schoss der Daimler-Kurs um rund 17 Prozent nach oben auf 42,95 Euro. Auf diesem Niveau liegt er auch heute noch. Vom Regen in die Traufe mag da so mancher Daimler-Aktionär rückblickend denken.

“Fit for Leadership” lautet das Programm, das Zetsche im Herbst ausgerufen hat und das in erster Linie ein Sparprogramm ist. Würde man allein die Performance der Daimler-Aktie als Kriterium für die neuerliche Verlängerung seines Vertrages bis 2018 heranziehen, man müsste Zetsche diese Fitness absprechen.

 

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Kommentare (2 aus 2)

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    • aber schreibt Euch nur mal keinen Rolf

    • in der Tat: Eine Erfolgsbilanz sah Anders aus

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