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Superbowl: Die “Falschen” haben gewonnen

Getty Images
Ray Lewis von den Baltimore Ravens hält die begehrte Trophäe nach dem Gewinn des Superbowl in den Händen.

34:31 haben die Baltimore Ravens in der Nacht zum Montag den Superbowl gegen die San Francisco 49ers gewonnen. Ein enger Ausgang des Endspiels in der Nordamerikanischen Footballliga NFL mit einem spektakulären Spielverlauf, so wie es sportbegeisterte Fans mögen. 28:6 stand es für die Ravens bereits, ehe als ungeplanter weiterer Höhepunkt der Blackout kam: Eine halbe Stunde ging im Superdome von New Orleans, der nach dem Hurrikan Katrina für mehrere hundert Millionen Dollar renoviert worden war, nichts mehr, weil die Stromversorgung zusammengebrochen war.

Als der Strom wieder da war, drehten auch die 49ers noch einmal mächtig auf und kamen kurz vor Ende des Spiels noch auf 29:31 heran. Drehen konnten sie das Spiel aber nicht mehr, und das hat vermutlich nicht nur eingefleischten 49er Fans das Herz gebrochen. Auch der ein oder andere Börsenhändler dürfte ins Grübeln gekommen sein, vorausgesetzt er ist ein Anhänger des sogenannten Superbowl-Indikators.

Der besagt nämlich, dass es eigentlich egal ist, welche Mannschaft gewinnt, Hauptsache sie kommt aus der National Football Conference NFC und nicht aus der American Football Conference AFC. Dann nämlich ist – rein statistisch gesehen – mit erhöhter Wahrscheinlichkeit davon auzugehen, dass die Aktienkurse ein gutes Jahr erleben werden.

Dummerweise kommen dieses Mal die Ravens aber aus der AFC. Ein schwarzer Montag ist deswegen an Wall Street aber nicht zu befürchten und auch in Europa ist von einem Ausverkauf bei Aktien (noch) nichts zu sehen. Dafür hat die Superbowl-Börsenregel in den vergangenen Jahren auch viel zu sehr an Treffsicherheit eingebüßt.

Eine Zeit lang konnte sich der Superbowl-Indikator tatsächlich sehen lassen, wobei die Angaben über seine Treffergenauigkeit schwanken. Von 1971 bis 1997 soll sie noch bei rund 75 Prozent gelegen haben. Seitdem war auf Quarterbacks, Wide Receivers, Tight Ends und Runningbacks und Co. aber immer weniger Verlass. So soll die Trefferquote 2012 schon nur noch bei 59 Prozent gelegen haben, womit wir uns immer mehr der statistischen Mitte bei 50 Prozent nähern und footballbegeisterte Aktionäre auch einfach eine Münze werfen könnten.

Wer dennoch an den Superbowl-Indikator glaubt und auf einem dicken Aktienpaket sitzt, dem sei damit Hoffnung gemacht, dass 2008, im Jahr der Lehman-Pleite, als es mit dem Deutschen Aktienindex Dax um 40 Prozent nach unten ging, die New York Giants aus der NFC den Superbowl gewonnen haben, also eigentlich die Richtigen. Im Jahr darauf war es umgekehrt. 2009 trugen die Pittsburgh Steelers aus der AFC die Trophäe nach Hause und der Dax beendete das Jahr mit einem Plus von gut 20 Prozent.

 

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