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Liz Mohn: Eine Puppe, kein Püppchen

Auf den ersten Blick scheint es für eine Frau eine eher zweifelhafte Ehre, dass eine Barbie ihrem Äußeren nachempfunden wird. Welche Frau will schon ein Püppchen sein? Aber der Spielzeughersteller Mattel denkt darüber natürlich anders. Er bringt seit 2009 jährlich eine Puppe heraus, die einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens aus dem Gesicht geschnitten ist. In diesem Jahr ist das Liz Mohn.

Mattel
Liz Mohn als Barbie-Puppe.

Die 1941 im ostwestfälischen Wiedenbrück geborene, gelernte Zahnarzthelferin, ehelichte 1982 den Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn und ist nach dessen Tod 2009 die Repräsentantin des Familienunternehmens, das gleichzeitig eines der größten Medienkonzerne der Welt ist. Ohne ihr Einverständnis wird angeblich keine wichtige Entscheidung am Unternehmenssitz in Gütersloh getroffen, so heißt es.

Da passt es, dass Mattel die erste einzigartige Barbie 2009 nach dem Vorbild von Angela Merkel erschuf. Ohne ihre Zustimmung soll ja im Land auch nicht viel gehen, heißt es in Berlin. Dass im vergangenen Jahr auch Ex-Fußballerfrau Sylvie van der Vaart ihre Barbie bekam, passt indes  schon eher ins Püppchen-Image.

Mattel würde solche Vergleiche natürlich entschieden von sich weisen. „Die Philosophie von Ruth Handler, der Erfinderin der Barbie, war es seit jeher, dass Mädchen unendliche Wahlmöglichkeiten im Leben haben und diese von Barbie inspiriert leben können. So gab es bereits in den Anfängen von Barbie eine Vorstandsvorsitzende oder ein eigenes Auto, noch bevor so manch eine Frau einen eigenen Führerschein besaß“, heißt es in der Pressemitteilung.

Liz Mohn zumindest, hat etwas aus ihrem Leben gemacht und versucht auch Kindern zu helfen, die weniger Glück haben. Vor 20 Jahren gründete sie die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Spielzeugkonzern wird Kindern, die einen Schlaganfall erlitten haben, künftig unentgeltlich Spielzeug liefern.

Eltern, die ihren Töchtern jetzt aber eine Liz Mohn Barbie schenken wollen, werden enttäuscht sein. Die Puppe, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, wird es nur einmal und nur für Liz Mohn geben. Eine Karriere im Spielzeugregal wird ihr verwehrt bleiben.

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