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VW macht happy, Mercedes setzt auf Erotik

Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit: Der 47. Superbowl steht traditionell am ersten Wochenende im Februar auf dem Programm. Das Finale der amerikanischen Football-Profiliga NFL ist in den Vereinigten Staaten das Sportereignis des Jahres schlechthin. Das gilt übrigens nicht nur für Sportfans, sondern auch für die Autoindustrie: Die Hersteller gehen mit kreativen, meist lustigen Werbespots auf Kundenjagd.

Mercedes/Youtube
Für Mercedes lässt Model Kate Upton Football-Spieler zum Schwamm greifen.

Und das lassen sie sich einiges kosten: Mehrere Millionen müssen Unternehmen hinblättern, wollen sie am 3. Februar ein halbe Werbeminute beim Fernsehsender CBS buchen. Die Reichweite scheint die immensen Ausgaben zu rechtfertigen. Regelmäßig mehr als 100 Millionen Amerikaner schauen sich das Megaevent an. Weltweit wird das Spektakel in fast 200 Länder übertragen.

Werbung beim Superbowl – in dem sich übrigens die Baltimore Ravens und die San Francisco 49ers in New Orleans gegenüberstehen – ist außerdem anders als hierzulande kein geduldetes Übel. Vielmehr gelten die Spots als Unterhaltung pur. Laut Umfragen schaltet rund jeder Dritte Amerikaner den Fernseher quasi nur wegen der Werbeclips ein.

Auf diesem Wege schuf der Superbowl schon wahre Werbeikonen. An vorderster Front ist wohl ein kleiner, als Star-Wars-Bösewicht Darth Vader verkleideter Junge zu nennen, den Volkswagen in den vergangenen Jahren mit Erfolg ins Rennen schickte.

Der Kleine versuchte bei seinem ersten Einsatz vor zwei Jahren, mit der Kraft seiner Gedanken dem damals nagelneuen Passat Leben einzuhauchen. Und erschrickt, als es tatsächlich klappt. Der Clou: Sein Vater half hinter der Gardine mit seiner Fernbedienung nach. Der Spot mit dem Namen „The Force“ (Die Macht) war auch im Internet ein Renner: Bis heute haben sich fast 56 Millionen Menschen das 62-Sekunden-Video auf Youtube angeschaut.

Auf dem großen Erfolg baute VW 2012 natürlich auf. Hauptdarsteller war auf den ersten Blick zwar ein übergewichtiger Hund, der sich fit macht, um den damals neuen – ebenfalls schlankeren – Beetle aus der Nähe in Augenschein nehmen zu können. Aber – wie sollte es anders sein – die Werbestrategen bauten am Ende natürlich auch den Mini-Bösewicht aus dem Krieg der Sterne wieder ein.

Dieses Jahr ist allerdings alles anders. Denn Volkswagen verzichtet auf Darth Vader. Vielmehr gehts musikalisch zur Sache: Im kürzlich veröffentlichten Teaser  zum Clip gibt Reggae-Legende Jimmy Cliff nämlich den Klassiker “Get happy” zum Besten. Mit dabei sind zahlreiche Youtube-Stars, die wegen schräger Auftritte auf der Video-Plattform zweifelhafte Berühmtheit erlangt haben. Eines haben die weinende Katzenliebhaberin, der wütende Golfer und der adipöse Gitarrenzerstörer gemein: Sie rasten aus – und werden von VW versöhnt und wieder glücklich gemacht.

Und am Dienstag veröffentliche VW dann den Spot, der am Sonntag im Fernsehen zu sehen sein wird. Protagonist von „Get In. Get Happy“ ist Dave aus Minnesota. Er ist ein weißer Angestellter und versucht, mit unüberhörbarem jamaikanischem Akzent die schlechte Montags-Stimmung aus dem Büro zu vertreiben. Und schafft es letztlich auch – mit einem Ausflug im Beetle. Dazu gibt’s selbstverständlich “Get happy” auf die Ohren.

Auch die anderen Autobauer schlafen nicht: Audi schickt einen schüchternen Schüler mit dem S6 auf den Abschlussball. Er wandelt sich wegen des Sportwagens zum wahren Draufgänger. Wie die Geschichte ausgeht, ist offen – es gibt drei optionale Endungen, die der Zuschauer wählen kann. Mercedes-Benz spielt im Kampf um die Käufergunst die Erotik-Karte. Schauspielerin und Model-Sternchen Kate Upton überwacht in lasziven Posen, ob das neue Kompakt-Coupé CLA von mehreren jungen Männern auch ordentlich gewaschen wird. Diese haben allerdings selbstredend nur Augen für die Blondine.

Aber sehen Sie die besten Superbowl-Clips selbst und stimmen Sie ab. Welcher Spot gefällt Ihnen am besten?

Die Superbowl Werbeclips 2013

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Kommentare (4 aus 4)

Alle Kommentare »
    • .....Herr Zetsche ist ein erotisierter Träumer......es gab Zeiten da hat der STERN durch unbestechliches Design und QUALITÄT überzeugt und beeindruckt........ebenso in der FORMEL 1, auch da läuft man zeitgemäßer Leistung und Qualität weit hinterher........schade, auch ich habe die Konsequenzen gezogen.....wachen Sie endlich auf....!!!

    • Wenn dann pursuit of happiness.

    • Da muß es denen aber richtig schlecht gehen, wenn sie wieder mal großkalibrig zu persuit of happiness greifen, sei es Sex, Glück oder Geld.

    • Die von Toyota ist definitiv die beste Werbung.

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