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Simbabwe hat nur noch 217 Dollar

dapd

Jahrelang hat Simbabwe mit großen, sehr großen Zahlen von sich reden gemacht. Nun hat das Land ein großes Problem mit einer zu kleinen Zahl: Es sind nur noch 217 US-Dollar in der Staatskasse.

Das Land mit rund zwölf Millionen Einwohnern geriet mit der Diktatur von Präsident Robert Mugabe und seinen widersinnigen Regierungsprogrammen in den 1990er Jahren in eine verheerende Wirtschaftskrise, die die Arbeitslosenquote auf schätzungsweise 80 Prozent in die Höhe trieb. Durch ungehemmtes Gelddrucken der Zentralbank folgte in den Jahren 2007 bis 2009 eine Hyperinflation, die in der Spitze die unglaubliche Inflationsrate von 90 Trilliarden Prozent erreichte.

In dieser Zeit brachte die Regierung eine Banknote mit dem Wert von 100 Billionen (100.000.000.000.000) heraus. Nach der Hyperinflation des ungarischen Pengö im Jahr 1946 unterlag der Zimbabwe-Dollar damit dem zweithöchsten Wertverfall einer Währung in der Geschichte.

Weil die Landeswährung damit jeglichen Sinn verloren hatte, erlaubte die Regierung im Jahr 2009 den Bürgern, auch ausländische Währungen wie den Euro, den US-Dollar und den Südafrikanischen Rand zu verwenden. Auch die Staatsdiener wurden in US-Dollar bezahlt.

Nun gibt es aber dieses neue Problem: Nachdem die Staatsdiener in der vergangenen Woche ausbezahlt wurden, verblieben nach Angabe von Finanzminister Tendai Biti nur noch 217 US-Dollar in der Staatskasse. “Die Staatsfinanzen sind derzeit gelähmt. Wir verfehlen unsere Ziele”, klagte der Minister bei einer Pressekonferenz. Die Regierung will sich nun an internationale Geldgeber wenden, weil für das Abhalten eines Verfassungsreferendums und von Wahlen 104 Millionen US-Dollar benötigt werden. Eine Aussage des Ministers, wie die Staatsangestellten im nächsten Monat bezahlt werden, ist nicht überliefert.

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