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Die Welt wird „ein kleiner weißer Zwerg“

dapd

Enttäuschung für alle Weltuntergangspropheten und Endzeitjünger. Die beruhigenden Worte über die ausbleibende Apokalypse kommen ausgerechnet von Russlands starkem Mann. „Ich weiß, wann der Weltuntergang kommt“, gibt sich Wladimir Putin auf einer Pressekonferenz im Kreml allwissend. „Es wird ungefähr in 4,5 Milliarden Jahren sein“, fügt der Präsident nach einer Pause verschwörerisch hinzu. „Alles wird enden und der Reaktor wird ausgehen“, lässt Putin die erstaunten Journalisten wissen, um gleich noch ins Detail zu gehen: „Das wird das Ende der Welt sein. Aber vorher wird sie ein kleiner weißer Zwerg.“

Die Worte Putins dürften weltweit für einen Seufzer der Erleichterung gesorgt haben, kamen sie doch immerhin aus präsidialem Mund. Unklar blieb allerdings, ob Putin in Kontakt zu höheren Mächten steht oder einfach nur der Wissenschaft glaubt. Denn Weltuntergangspropheten berufen sich auf den Jahrtausende alten Maya-Kalender, der angeblich für den 21. Dezember 2012 das Ende voraussagt. Für rituelle Zwecke erstellten die Mayas Kalender, die auf astronomischen Beobachtungen basierten. Sie wollten ihren Göttern nahe sein und Voraussagen treffen.

Für Wissenschaftler geht hingegen am Freitag nur ein 400 Jahre währender Zyklus, ein so genanntes Baktum, zu Ende, auf das noch viele weitere folgen. Im Verständnis der Maya war der 11. August 3114 vor unserer Zeitrechnung der Tag eins der gegenwärtigen Welt. Davor hat es schon eine Vielzahl von Welten gegeben. Allerdings weist eine Inschriftentafel in einem Sarkophag, der vor knapp fünf Jahren in der alten Maya-Stadt Tortuguero gefunden wurde, tatsächlich auf den 21. Dezember 2012 hin. Dann soll der mächtige Bolon Yokte, der Gott des Krieges und der Schöpfung, zurückkehren. Auf dieses freudige Ereignis wollte sich Tortuguero vorbereiten, glauben Forscher. Apokalyptisches können sie dabei nicht entdecken.

Gelohnt haben sich die Weltuntergangsszenarien nicht unbedingt für die Maya, sie sind schon vorher untergegangen – aber für etliche Geschäftemacher. Auch die mexikanische Regierung warb mit der drohenden Apokalypse und lockte so tausende zusätzliche Touristen zu den Ausgrabungsstätten auf der Halbinsel Yucatan. Souvenirverkäufer  und Hotelbesitzer reiben sich die Hände.

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