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Geht Amerikas Kultur in Rauch auf?

dapd

Die USA haben einige Kulturgüter hervor gebracht, die meisten waren käuflich und führten zur Übergewicht: Coca-Cola und McDonald’s seien hier nur beispielhaft genannt. Und da war noch der Marlboro-Mann: Der kernige Cowboy, der sich nach getaner Arbeit eine Kippe anzündet.

Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass die Amcham Germany, die sich die  Förderung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen auf die Fahnen geschrieben hat, wenig mit der neuen Tabakproduktrichtlinie der Europäischen Kommission richtet.

Warnhinweise auf Zigarettenpackungen in Form von abschreckenden Bildern sollen künftig 75 Prozent der Vorder- und Rückseite der Zigarettenpackung einnehmen. Neben der Steuerbanderole bleiben für den Markennamen nur noch 20 Prozent der Packung. Zudem soll der Gebrauch von Zusatzstoffen stark eingeschränkt werden, so der Plan.

Der Amcham schwant böses: „Die genannten Vorhaben haben nicht nur eine Anzahl an negativen Auswirkungen auf die Rechte der Tabakindustrie, sondern schränken gleichzeitig die Rechte der Verbraucher deutlich ein,“ wettert sie und schlägt eine Bresche für den wider besseren Wissens paffenden Europäer: „Durch die Erweiterung der Warnhinweise werden dem Verbraucher keine zusätzlichen Informationen geliefert. Bildhinweise auf den Schachteln wirken allenfalls abschreckend und diskriminieren ein legales Produkt. Dem mündigen Verbraucher wird die Freiheit genommen, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Umfangreiche Aufklärung sollte im Fokus der EU Kommission stehen, nicht die Einschränkung der Verbraucherechte“, so der Rat aus der neuen Welt an den alten Kontinent.

Und die mit Ekel-Bildern und Warnhinweisen übersäten Zigarettenpackungen könnten womöglich erst der Anfang sein, vermutet Amcham: „Obwohl die aufgeführten Regelungen sich gegenwärtig nur auf Tabakprodukte beziehen, ist eine Übertragung auf andere Industriezweige zu befürchten. So könnten zum Beispiel zusätzlich zu den bereits bestehenden Beschränkungen auch fette, zuckerhaltige oder salzige Lebensmittel sowie alkoholhaltige Getränke stärker reguliert werden und in Werbe- und Designrechte eingegriffen werden,“ heißt es in der Pressemitteilung.

Also wenn demnächst die Burger-Packungen wie die Schachtel für die Zigarette danach mit Warnungen übersät sein werden, dann stehen amerikanische Kulturgüter zur Disposition. Wehret den Anfängen!

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