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Die Seite Drei
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Die Bürde der Banker

„Woran liegt es, dass man den Banken nicht mehr vertraut?“, fragt die Commerzbank in ihrer aktuellen Fernsehwerbung, bei der eine attraktive junge Angestellte durch das morgendlich schlaftrunkene Frankfurt joggt. Mal überlegen: Finanzkrise, Kapitallöcher, Zinsmanipulationen bei Libor und Euribor, Schmiergeldaffären, Klagen von Kunden wegen falscher Beratung, Prozesse gegen Bankvorstände und Verdacht auf Steuerhinterziehung bei einigen Akteuren – und das in vielen Ländern der Welt und bei fast allen Großbanken.

Commerzbank
Printanzeige aus  der neuen Werbekampagne

Scheibchenweise wird seit Ausbruch der Krise vor fünf Jahren die ganze dreckige Wäsche der Banken in die Öffentlichkeit gezerrt. Erst gestern gab es eine Durchsuchung bei der Deutschen Bank, bei der 500 Steuerfahnder und Kriminalbeamte bundesweit wegen des Verdachts auf Steuerbetrug gegen 25 Mitarbeiter ermittelten. Gegen fünf Beschuldigte ergingen Haftbefehle wegen des Verdachts der Geldwäsche oder versuchter Strafvereitelung. Kurz zuvor gab es ein ähnliches Szenario in einer kleineren Version bei der Hypo-Vereinsbank.

Die Öffentlichkeit steht jedes Mal mit staunenden Augen daneben. Als Beobachter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, je größer die Bank, desto tiefer der Sumpf in dem sie steckt…

Populäres Gerede aus der Politik

Aus dem politischen Lager kommt populäres Gerede. Politiker egal welcher Couleur echauffieren sich, dass es mehr Transparenz geben muss, dass die Regulierung verschärft werden sollte. Regulierer – insbesondere in Europa – generieren die hochtrabendsten Ideen, wie künftig alles noch besser, noch sicherer und der Finanzsektor noch stabiler werden soll.

Was sie mit ihrem Aktionismus erreichen ist, dass die Menschen vor den Türen der Banken nur noch skeptischer werden, was den internen Zustand der Geldhäuser angeht. Glaubwürdig sind all die Lippenbekenntnisse nicht. Und dass den Kunden, die ihre Geld bei Banken eigentlich nur in Sicherheit wissen wollen, der Glaube an eine Besserung fehlt, kann bei dieser Ausgangslage niemanden verwundern.

Für die Banken ist es deswegen höchste Zeit, endlich im eigenen Haus und in der Branche aufzuräumen. Schöne Wort, wie „es wird eines fundamentalen Kulturwandels bedürfen“ von Seiten des Aufsichtsrats der Deutschen Bank sind Schall und Rauch, wenn es kurz darauf Hausdurchsuchungen und Verhaftungen gibt. Das ist kein Wandel sondern inzwischen die neue Normalität.

Es wird Zeit, endlich loszulaufen

Und so geht es für die Banken längst nicht mehr um irgendwelche Büßerkutten, Selbstkasteiung oder Schuldzuweisungen. Sondern vielmehr um Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Nähe zu den Menschen, mit deren Geld man Jahre und Jahrhunderte Profit gemacht hat. All das, was die Banken seit Jahren versprechen und bislang nicht halten können.

„Vor uns liegt ein langer Weg, aber auch der beginnt mit dem ersten Schritt“, heißt es gegen Ende der Commerzbank-Werbung. Stimmt. Und es ist an der Zeit mit dem Gerede darüber aufzuhören und endlich loszulaufen, denn auf der Stelle Joggen bringt einen zwar früher oder später ins Schwitzen, aber eben keinen Meter voran.

 

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