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Peer und Papst im Twitter-Rausch

Screenshot/Twitter

Manchmal kann es sich ja lohnen, wenn man sich rar macht: Peer Steinbrück, der frisch gebackene SPD-Kanzlerkandidat und Papst Benedikt XVI, sind zwei Spätberufene auf Twitter. Das Interesse an ihnen ist aber umso größer.

Ein Tweet, 6.052 Follower – so vielversprechend begann die Twitter-Karriere von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Einen geradezu himmlischen Start legt auch der Papst hin: Nur ein Tweet und schon mehr als 672,000 Follower. Allerdings hat sein Klub ja immerhin auch 1,2 Milliarden Mitglieder weltweit. Selbst ist der Papst da schon wählerischer: Der Stellvertreter Gottes auf Erden folgt nur sich selbst – den Accounts in verschiedenen Sprachen. “Dear friends, I am pleased to get in touch with you through Twitter. Thank you for your generous response. I bless all of you from my heart.” lautete dann der erste Tweet des Papstes um 11.28 Uhr am Dienstag.

Beide – der Papst und der Peer – durften sich inzwischen aber schon von der Mächtigkeit des Mediums überzeugen. Der Heilige Stuhl bat die Twitter-Nutzer – offenbar in Unkenntnis der Eigendynamik sozialer Medien – dem Papst Fragen unter dem Hashtag #askpontifex zu stellen.

Da der durchschnittliche Twitter-Nutzer vermutlich eher nicht zu eine regelmäßigen sonntäglichen Kirchgänger gehört, wurde das Hashtag schnell von Papstkritikern und Witzbolden gekapert – immerhin kann es ja jeder in seinen Tweet verwenden. Gefragt wurde alles möglich – und das wenigste davon ernst gemeint. Beispielsweise sollte sich der Papst zu seiner Ähnlichkeit mit dem Star-Wars-Charakter Imperator Palpatine äußern.

Screenshot/Twitter

Weniger Witzbolde hat am heutigen Mittwoch Peer Steinbrück mit dem von der SPD ausgegebenen Hashtag #fragpeer angezogen. „Kann losgehen. Lasst uns über Politik reden. Freue mich auf Eure Fragen”, twitterte Steinbrück zum Start. Die Twitter-Community ließ sich nicht lange bitten und überschüttete Steinbrück am Mittwoch geradezu mit Fragen. Steinbrück wird es wohl kaum schaffen, alle zu beantworten – meine drei Frage, die ich Steinbrück auf Twitter stellte, wurden bislang jedenfalls alle nicht beantwortet.

Ein Alt-Twitterer unter den Spitzenpolitikern nutzte das Hashtag gleich für eine Stichelei. Umweltminister Peter Altmaier ätzte: „Lieber @peersteinbrueck: Bitte sagen Sie wenn Sie mal selber twittern, damit wir nicht irrtümlich Ihre Mitarbeiter haftbar machen!”

Besonders interessant ist, dass Steinbrück offenbar keine einzige Frage zur Netzpolitik – vom Leistungsschutzrecht bis zu Vorratsdatenspeicherung – beantwortet hat, obwohl danach auf Twitter naturgemäß besonders häufig gefragt wurde. Zudem zeigte sich der SPD-Kanzlerkandidat ziemlich unbeholfen. So verwendte er sein eigenes Hashtag zunächst nicht, so dass seine Antworten für die Allgemeinheit nur schwer auffindbar waren.

Immerhin war Steinbrück einst stolzer Twitter-Verweigerer. „Ich twittere nicht“, sagte er klipp und klar auf einer Konferenz. Er wolle nicht auf einem Dienst aktiv sein, auf dem er nicht authentisch sein könne, sagt der Kandidat damals. Das Wort vom „Offline-Kandidaten“ machte die Runde. Aber immerhin eine haben sowohl er als auch der Papst noch überholt: Altmaiers Chefin, Kanzlerin Angela Merkel, ist bis heute nicht auf Twitter präsent.

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