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Wie lange hält der Honeymoon bei Douglas?

dapd

Noch sind die Liebesschwüre frisch zwischen der Douglas-Gründerfamilie Kreke und dem Finanzinvestor Advent, frischgebackener Mehrheitsaktionär des Handelskonzerns. Seit heute ist jedoch auch klar: Künftig hat der US-Investor das Sagen bei den Hagenern. Für Krekes ist es eine Ehe mit ungewissem Ausgang.

Zunächst klingt alles rosarot: “Wir haben unser Ziel erreicht, die Douglas-Gruppe in eine neue stabile Eigentümerstruktur zu überführen. Darüber bin ich sehr glücklich.” So kommentierte Vorstandsvorsitzender Henning Kreke den Umstand, dass eine überwältigende Mehrheit von über 90 Prozent die gemeinsame Offerte des Finanzinvestor Advent und der Krekes angenommen haben.

Advent steht da kaum zurück: “Gemeinsam mit der Familie Kreke und dem Management wird Advent International die Douglas-Gruppe dabei unterstützen, systematisch auf ihren Stärken aufzubauen … . Hierbei freuen wir uns insbesondere auf die weitere Zusammenarbeit mit Jörn Kreke und Henning Kreke…”.

Dabei feiern hier zwei Hochzeit, die nicht unbedingt wie ein klassisches Liebespaar aussehen. Dass ein familiengeführter Konzern sich ausgerechnet mit einem Finanzinvestor verbündet, ist auf den ersten Blick eher ungewöhnlich. Auf der einen Seite die langfristig denkenden Familienmitglieder, die an nachhaltigem Erfolg interessiert sind, auf der anderen Seite die Heuschrecke, die vor allem an der Rendite in den Mittelpunkt stellt und nach ein paar Jahren weiterzieht.

Und so steht die Frage im Raum, wie eigentlich das Ausstiegsszenario bei Douglas aussieht? Noch möchte keine der Parteien darüber reden. Advent-Deutschland-Geschäftsführer Ranjan Sen hatte das Thema bei der Vorstellung des Angebots im Oktober vom Tisch gewischt. Darüber mache man sich noch keine Gedanken, hatte es geheißen. Advent sei doch ein langfristiger Investor.

Auch über die strategischen Ziele ist man sich einig: Die Expansion im Parfümerie- und Schmuckgeschäft steht ganz oben. Dann soll der Sanierungsfall Thalia wieder auf die Beine gebracht werden. Selbstverständlich in Eigenregie. Nur was mit den kleinsten Geschäftsbereichen, dem Süßwarengeschäft Hussel und den Damenmodehäusern AppelrathCüpper passieren soll, weiß man nicht so recht. “Ertragsorientiert” fortführen, nennt sich die Floskel. Von einer Zerschlagung mag niemand reden.

Doch was passiert, wenn der erste Liebesrausch vorbei ist und der Alltag einkehrt? Die wirtschaftlichen Aussichten vor allem in Europa sind derzeit alles andere als rosig, das bekommt Douglas bei seinem Parfümeriegeschäft zu spüren. In welche Richtung soll daher expandiert werden? In welchem Tempo? Auch das gut laufende, bislang rein auf Deutschland beschränkte Schmuckgeschäft Christ soll internationalisiert werden, wobei sich laut Advent erst einmal die deutschsprachigen Nachbarländer Österreich und die Schweiz anbieten würden.

Und was geschieht, wenn die Sanierung beim Buchgeschäft Thalia nicht den erwünschten Erfolg bringt? Die Strukturwandel im Buchmarkt trifft Thalia mit voller Wucht. Die Internetkonkurrenz (siehe Amazon) und das zunehmende Aufkommen elektronischer Bücher hat Thalia tief getroffen. Der eigene E-Reader kommt gegen die Konkurrenz nicht an. Und auch die Thalia-Filialen sind mittlerweile aus der Zeit: Der Trend geht zu kleineren Flächen.

Fakt ist: Krekes mögen zwar nach der Übernahme ihren Anteil auf 20 Prozent an Douglas aufstocken – aber sie sind eben Minderheitsaktionäre. Gegen den Willen des Finanzinvestors kann die Familie nicht agieren. Sollten die strategischen Ansichten mit der Zeit zu weit auseinanderdriften, könnte die Ehe schnell vor der Scheidung stehen. Die besseren Karten hätte in diesem Fall der Mehrheitsaktionär – im schlimmsten Fall könnte er die Familie womöglich herausdrängen.

Die Idee der Krekes war aus der Not geboren: Der Einstieg des ungeliebten Drogeriermillionärs Müller, und Befürchtungen, das Unternehmen könnte aufgrund eines niedrigen Aktienkurses womöglich selber Übernahmeziel werden, ließen Krekes nach Lösungen suchten, auch wenn sie das offiziell so nicht zugeben wollten. Ein alleiniger Rückkauf war für die Familie nicht zu stemmen, also musste ein Investor her. “Weggefährten auf Zeit”, nannte Henning Kreke dies einmal.

Nun ist also Advent der Weggefährte auf Zeit – ein US-Finanzinvestor, der mit Unternehmen wie Takko oder Herlitz bereits Erfahrungen im deutschen Einzelhandel gemacht hat. Ob sich die Entscheidung der Krekes auszahlen wird, oder ob sich die Familie vielleicht doch verzockt hat, kann nur die Zeit zeigen. Und selbst wenn die Ehe zwischenzeitlich ein Erfolg wird, bleibt das Damoklesschwert der Scheidung – denn der Ausstieg von Advent wird unausweichlich kommen. Was machen Krekes dann?

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