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Peer im Pech

dapd
Ein Weihnachtsbaum steht am Mittwoch in Hannover auf dem 25. Bundesparteitag der CDU vor einem Foto, das den designierten Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrueck, an einem Lagerfeuer zeigt.

Schlechter kann es für Peer Steinbrück wirklich kaum noch laufen. In die nicht enden wollende öffentliche Debatte über die Nebeneinkünfte des designierten SPD-Kanzlerkandidaten will einfach keine Ruhe kommen. Nun hat der frühere Finanzminister zwar das einzig Richtige getan und einen für Donnerstag in Frankfurt geplanten Vortrag bei einer Schweizer Privatbank kurzerhand abgesagt. Jedoch leider nicht aus freien Stücken.

Grund für die Absage war keineswegs etwa die späte Einsicht, dass Dinnerspeeches bei Verkaufsveranstaltungen von Banken nicht den angemessenen Rahmen für einen Auftritt des Mannes bieten, der seine frühere Chefin Angela Merkel im September im höchsten Regierungsamt ablösen möchte. Vielmehr war es eine Razzia bei dem Bankhaus Sarasin, die Steinbrück einen Strich durch seine Rechnung machte. Vor möglichen Steuerbetrügern mochte Steinbrück dann schließlich doch nicht sprechen.

Vier Tage vor seiner offiziellen Kür beim Sonderparteitag der Sozialdemokraten in Hannover bietet der Kandidat kommunikationstechnisch ein Bild des Jammers. Kaum ein Tag, in dem ihm seine politischen Gegner nicht genüsslich einen neuen Fauxpas unter die Nase reiben können.

Steinbrücks überraschendes Bekenntnis, eine Flasche Pinot Grigio unter fünf Euro würde er nicht kaufen – ein gefundenes Fressen für die Kauders, Dörings und Dobrindts. Die Bild-Zeitung konterte sogleich mit einer Liste guter Tropfen für unter fünf Euro, die manchen SPD-Getreuen innerlich bestätigt haben dürfte.

Nun der Zickzackkurs um den geplanten Vortrag, den viele schon im Vorhinein kritisiert hatten. Ob die dafür gelieferte Begründung wirklich die ganze Wahrheit ist oder nicht auch die Kritik ihr Teil zum Umdenken beigetragen hat, wissen am Ende nur Steinbrück und seine Berater.

Für Hannover kann Steinbrück nun nur auf ein Aufbruchssignal setzen, und alles wird davon abhängen, wie er sich dort präsentiert. Bisher hatte der designierte Kandidat einfach kein Glück, und irgendwie kam dann auch noch Pech dazu, so scheint es. Vier Tage vor dem SPD-Parteitag und neuneinhalb Monate vor der Wahl warten wir gespannt darauf, wie Peer Steinbrück die nächsten  Fettnäpfe meistert.

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