WSJ Blogs

Real-time commentary and analysis from The Wall Street Journal
Die Seite Drei
Schnelle Analysen und Beobachtungen zum Zeitgeschehen

Hat Apple ein Online-Problem?

dapd

Eins ist klar: Apple ist immer noch extrem erfolgreich in dem, was es tut. Der US-Konzern macht mehr Gewinn als irgendein anderes Unternehmen der Welt – trotz der jüngsten Talfahrt an der Börse. Dabei ist Apple nur auf sehr wenigen Feldern  aktiv, dort aber Marktführer mit Traummargen – vor allem bei Smartphones und Tablets.

Allerdings ist der Konzern vor allem von diesen beiden Geräten auch abhängig, was ihn sehr verwundbar macht, sollte jemals ein anderes Smartphone oder Tablet das nächste heiße Ding werden – oder vielleicht auch ein ganz anderes Gerät.

Mit den zwei anderen IT-Giganten – Microsoft und Google – teilt sich Apple deshalb ein Problem: Die Gewinne sind von einer speziellen Sparte abhängig. Bei Microsoft ist es das Geschäft mit Softwarelizenzen, insbesondere für die Produkte Windows, Office und Serversoftware. Bei Google ist es Online-Werbung und bei Apple ist es eben der Verkauf von Hardware.

Microsoft und Google haben in der Vergangenheit versucht, weitere Einnahmesäulen zu etablieren – stets vergeblich. Microsoft kann im Online-Geschäft mit Diensten wie Bing bis heute keine signifikanten Einnahmen generieren, und Google erzielt mit dem Cloud-Geschäft für Firmenkunden nicht annähernd die Margen des Marktführers Amazon.

Apple dagegen hat nie versucht, eine weitere Einnahme-Säule neben dem klassischen Geschäft mit Hardware aufzubauen. Der Verkauf von Software und Musik via App Store und iTunes spielt in den Bilanzen des Unternehmens kaum eine Rolle – und der Cloud-Dienst iCloud ist nur ein Zusatzangebot für die Apple-Kunden, der sich trägt, aber kaum Einnahmen generiert.

Der ehemalige Apple-Entwickler Patrick Gibson attestiert seinem Ex-Arbeitgeber auf Tumblr nun eine Internet-Schwäche und schlägt vor, der Konzern solle mit seinen riesigen Bargeldreserven Twitter kaufen. Gibson hatte früher bei Apple an der Software für das erste iPad gearbeitet.

Das US-Wirtschaftsblog Business Insider ergänzt, Apple habe ein großes Problem. „Apples Schwäche waren schon immer Web-Dienste. Es ist gut darin, fantastische Hardware zu bauen und starke Desktop-Software. Doch wenn es um Angebote wie Apple Maps, E-Mail oder iMessages geht, ist es schwach“, stellt das Blog fest. Zuletzt hatte Apple ein Desaster erlebt, als es mit einer neuen Version seines mobilen Betriebssystems iOS Googles etablierten Kartendienst Google Maps durch ein eigenes Produkt ersetzt hatte. Gibson fasst Apples Problem so zusammen: „Google wird schneller besser beim Design als Apple es beim Thema Internet gelingt“, sagt der Entwickler, der sich selbst als langjährigen Mac-Nutzer und eingefleischten Apple-Fan bezeichnet.

Apple kämpft beim eigenen Cloud-Service iCloud mit Fehlern. Nutzer berichten beispielsweise von häufigen Konflikten zwischen verschiedenen Dokumenten-Versionen, wenn sie die Speicherung im Internet verwenden. Gibson schreibt: „Fast alles, was Apple in Angriff nimmt und mit dem Internet zu tun hat, ist ein Durcheinander.“ Die Schuld sieht Gibson bei veralteter Web-Technik.

Google dagegen ist inzwischen erfolgreich ins Hardware-Geschäft eingestiegen und verkauft aktuell drei mobile Geräte: das Smartphone Nexus 4, das kleine Tablet Nexus 7 und das große Tablet Nexus 10 – alle drei natürlich mit Googles Betriebssystem Android. Die Geräte werden dem Konzern aus den Händen gerissen.

Wird Google Apple also auf dem Hardware-Markt gefährlich, während es Apple nicht gelingt, seine Online-Schwäche abzulegen? Eine echte Konkurrenz für die Apple-Hardware ist Google nicht. Vielmehr verdrängen die sehr günstigen Geräte aus dem Hause Google gerade die Geräte der Android-Konkurrenz von HTC, Samsung und Co. – und eröffnen neue Käuferschichten, denen Smartphones und Tablets vorher zu teuer waren.

Apple dagegen verkauft so viele iPhones und iPads wie nie zuvor – wenn denn die Produktion nachkommt. Das Hardwaregeschäft ist für Google außerdem keine weitere Säule für Einnahmen geworden, denn die Geräte werden – ganz im Gegensatz zu den teuren Apple-Geräten – absichtlich subventioniert verkauft. Die Nexus-Tabets und das Smartphone sind nichts weiter als Träger von Googles Webdiensten, damit der Konzern noch mehr Online-Werbung verkaufen kann. Schaden tut Google damit vor allem den eigenen Android-Partnern wie Samsung, HTC und Sony, die im Gegensatz zu Google vom Hardware-Verkauf leben müssen.

Apple dagegen hat den Premiummarkt immer noch fest im Griff. Erst wenn sich das einmal ändern sollte, hat der Konzern ein Problem. Das allerdings könnte schneller passieren, als Google seine Technologieführerschaft bei Web-Diensten verliert.

Kommentar abgeben

Wir begrüßen gut durchdachte Kommentare von Lesern. Bitte beachten Sie unsere Richtlinien.

Die Seite Drei – Über uns

  • Schnell und kurz bringt „Die Seite Drei“ Einschätzungen, Hintergründe und Ergänzungen zu den Berichten des Wall Street Journal Deutschland. Hier bloggt die ganze Redaktion.

    Hinweise zu Themen, Anregungen und Ihre Fragen nehmen wir unter redaktion@wallstreetjournal.de entgegen.