WSJ Blogs

Real-time commentary and analysis from The Wall Street Journal
Die Seite Drei
Schnelle Analysen und Beobachtungen zum Zeitgeschehen

Die Zukunft gehört den Bankerinnen

Agence France-Presse/Getty Images
Die Deutsche Bank setzt auf weibliche Mitarbeiter, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Weiblich, älter, moderates Gehalt – was wie eine Beschreibung für eine Kontaktanzeige klingt, ist das neue Profil für den Banker der Zukunft. Nicht bei einem alternativen Öko-Geldhaus, sondern dem größten Institut des Landes: der Deutschen Bank.

Wenn man Personalvorstand Stephan Leithner zuhört, wird schnell klar: Die Branche will und muss sich neu erfinden, um wieder ihre Kunden zu erreichen.

Es ist nicht lange her, da waren genau die gegensätzlichen Merkmale gesucht: Männlich, jung, geldorientiert.  Der Proto-Typ wird zum Anti-Typ. Er gilt vielen als Verursacher der Finanzkrise. Der smarte, aber gierige Banker, der ohne Rücksicht auf Verlust komplizierte Finanzkonstrukte an ahnungslose Kunden verkauft und dabei nur an seine Boni denkt.  Die Folgen dieser Gier, allen voran die teure Bankenrettungen, muss letztlich die Gesellschaft tragen. Gewinne einheimsen und Verluste teilen, das sieht aber kaum noch jemand ein.

Der Vertrauensverlust kommt die Banken teuer zu stehen. Die Bindung der Kunden an eine einzelne Bank nimmt ab. Hatten früher die meisten ein Leben lang eine Bank, ist die Bereitschaft zu wechseln inzwischen sehr groß. Das beste Angebot gewinnt.

Eine Studie zeigt, wie es um das Vertrauen der Kunden bestellt ist. Nur 47 Prozent der Befragten gaben an, ihrer Bank zu vertrauen – im Vergleich zu 90 Prozent bei einem Technologieunternehmen wie SAP. Vergleicht man den Börsenwert der beiden Branchen, ist der Unterschied ähnlich eklatant.

Es gilt viel Porzellan zu kitten

Die Privatbanken haben das erkannt, allen voran die zwei großen. Die Commerzbank soll nach der Vision von Martin Blessing vor allem eins sein: „Fair“. Kein Handel mit Lebensmitteln, keine zu großen Risiken, kein Verkauf von undurchsichtigen Produkten. Die Deutsche Bank hat sich einen „Kulturwandel“ auf die Fahnen geschrieben. Die Doppelspitze wird nicht müde, das zu betonen. Keine Geschäfte, die man später bereut, lautet das Motto.

Dabei sollen die weiblichen Mitarbeiter eine entscheidende Rolle spielen. „In einem Umfeld, in dem Risiken ein Thema sind, bilden gemischte Teams eine zentrale Größe“, sagt Leithner. Die Deutsche Bank hat sich daher zu Ziel gesetzt in den nächsten fünf Jahren den Anteil der Frauen in gehobenen Führungspositionen auf ein Viertel zu erhöhen.

Auch die vor allem in der Werbung verherrlichte Jugend gilt nicht mehr als das Maß aller Dinge. In einer Gesellschaft, die immer älter wird, will die Deutsche Bank ihre Mitarbeiter länger beschäftigen. Das ist ebenfalls ein echter Wandel für die Branche, wurden doch bislang Banker ab Mitte 50 gerne in Frührente geschickt, um den jungen, dynamischen Nachfolgern Platz zu machen.

Nicht zuletzt, soll es keine Exzesse mehr bei den Boni geben. Moderate Gehälter sollen die Gemüter der erregten Öffentlichkeit wieder beruhigen.  So wollen die Banken wieder das zerbrochene Porzellan kitten.  Sie haben viel vor.

Kommentar abgeben

Wir begrüßen gut durchdachte Kommentare von Lesern. Bitte beachten Sie unsere Richtlinien.

Die Seite Drei – Über uns

  • Schnell und kurz bringt „Die Seite Drei“ Einschätzungen, Hintergründe und Ergänzungen zu den Berichten des Wall Street Journal Deutschland. Hier bloggt die ganze Redaktion.

    Hinweise zu Themen, Anregungen und Ihre Fragen nehmen wir unter redaktion@wallstreetjournal.de entgegen.