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Alles schwarz in München

Alles schwarz: In München war am Donnerstag der Strom ausgefallen.

An Tagen wie diesen sind Romantiker klar im Vorteil: Glücklich, wer sich in München eine Kerze zum Frühstück anzünden konnte. Stundenlang mussten rund 450.000 Münchener ohne Strom auskommen. Die Ursache: ein Defekt an einer Freileitung.

In Aufzügen und der U-Bahn feststeckende Menschen, mit wartenden Pendlern überfüllte S-Bahn-Steige und verzweifelt auf ihren toten Handys herumdrückende Menschen: Wie sehr der moderne Mensch von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängig ist, hat sich am Morgen in München eindrucksvoll gezeigt. Viele Münchner saßen ab 7 Uhr im Dunkeln.

Die gute Nachricht: Mit der Energiewende und der Diskussion um sichere Netze hatte der Vorfall nichts zu tun. Vermutlich ein simpler Kurzschluss legte die Leitung und damit weite Teile Münchens lahm. Da lässt es sich getrost witzeln: „„In München alles schwarz – davon träumt die CSU“, spottete Twitter-User @siegstyle.

Wer das Glück hatte, eine funktionierende U-Bahn zu bekommen, war deswegen aber noch lange nicht auf der sicheren Seite: Twitter-User @kingalca berichtete über Realsatire im unterirdischen Morgenverkehr: „Ansage heute in der UBahn: sehr geehrte Fahrgäste, bitte fragen sie mich nicht, wo wir hinfahren, ich weiß es auch noch nicht.“

Statt der öffentlichen Verkehrsmitteln das Auto zu nehmen, war ebenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss: Ohne Strom kein Ampelbetrieb. Und auch wer die im morgendlichen Chaos verlorene Zeit wieder einholen wollte und kräftiger aufs Gas drückte als erlaubt, hatte im schlimmsten Fall gleich zwei Mal ein böses Erwachen: Selbst als in der Millionenstadt noch einige Ampeln ausgefallen waren, wurde mit deutscher Gründlichkeit schon wieder eifrig geblitzt.

Die ganze Stadt also im Chaos? Nicht ganz. Viele Münchener schrieben auf Twitter, dass sie den Stromausfall gar nicht bemerkt hätten – weil ihr Handy nicht geklingelt habe. Armer, glücklicher moderner Mensch!

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