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Peter Altmaier – ein Minister mit Verspätung

Focke Strangmann/dapd
Viel unterwegs, selten pünktlich: Umweltminister Peter Altmaier, hier bei einer Erdkabel-Verlegung im August.

Für Planer von Veranstaltungen mit Politprominenz erweist sich einer der gefragten Akteure als Risikofaktor ganz besonderer Art. Er bringt gehörig Unordnung in Programmabläufe oder sprengt sie ganz, stellt Organisatoren wie Besucher auf die Probe. Die Rede ist von Umweltminister Peter Altmaier. Mit ihm lässt sich mindestens die Kunst des Wartens gut üben, denn er verspätet sich gerne. Gefragt ist nicht selten auch Flexibilität: Programmabfolgen müssen geändert oder auf die Schnelle alternative Interviewpartner gefunden werden, um die Zeit bis zum Eintreffen des Ministers zu überbrücken.

Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt: Steht Peter Altmaier auf dem Programm, gar als Hauptredner, dann sollten sich die Veranstalter schon im Vorfeld ein Alternativprogramm ausdenken. Denn häufig heißt es kurz vor Beginn des Termins: der Minister verspätet sich. Das wäre nicht der Erwähnung wert, ginge es nur um das akademische Viertel. Doch die Verspätungen des Umweltministers folgen dem Motto “wenn schon, denn schon”. Selten geht es unter vierzig, fünfzig Minuten ab.

Zeit-Lücken, die Altmaier aufreißt, werden ganz unterschiedlich gefüllt. Auf einem Kongress springt ein Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium ein, und der Moderatorin ist die Erleichterung anzumerken, nicht selbst auf der Bühne überlassen zu bleiben. Bei einer Pressekonferenz finden sich Journalisten und Verbandsvertreter in Grüppchen zusammen und erörtern aktuelle Themen. Auf einer Veranstaltung zur Energiewende zeigt der Veranstalter statt des Ministers kurzerhand den eigenen PR-Film zum Thema.

Rösler hat anderes Zeitverständnis

Ist Altmaier eingetroffen, kann der CDU-Minister sich der spürbaren, wohlwollenden Erleichterung von Organisatoren und Auditorium sicher sein. Ohnehin raumgreifend von seiner Statur greift er den Veranstaltungsfaden in der Regel wie selbstverständlich auf und nimmt sich meist demonstrativ Zeit für Gespräche und fürs Zuhören. Gehetzt wirkt Altmaier nie. Für sein späteres Eintreffen hat er meistens – nicht nur aus seiner Sicht – plausible Erklärungen.

Einmal hat sich ein wichtiger EU-Vertreter kurzfristig zum Frühstück angesagt. Ein andermal war der Berliner Verkehr zu dicht. Und zur Bilanz nach 100 Tagen im Amt kam Altmaier zu spät, weil sich bei der Rückreise von energiepolitischen Gesprächen in Nordrhein-Westfalen die Gangway am Flugzeug verhakt hatte. Da kann man nur hoffen, dass dies kein böses Omen für das Projekt Energiewende ist, und Altmaier mit seinen Entscheidungen dazu nicht auch zu spät kommt.

Der ebenfalls für die Energiewende zuständiger Wirtschaftsminister Philipp Rösler  von der FDP scheint ein anderes Zeitverständnis zu haben. Auf einem Kongress, auf dem vor ihm Altmaier mit satten fünfzig Minuten Verspätung seine Rede hielt, traf Rösler so früh ein, dass noch niemand mit ihm gerechnet hatte. Gedankt hat es ihm keiner. Der Wirtschaftsminister stand allein im Eingangsbereich, ohne dass ihn jemand empfangen hätte.

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