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Die Passion Ferdinand Piëch

VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist zweifelsohne trotz seines mittlerweile stattlichen Alters von 75 Lenzen einiges gewohnt. Ganz und gar nicht altersmüde ist der Porsche Enkel – stattdessen zieht er nach wie vor fleißig von Salzburg aus die Strippen bei Europas größtem Autobauer Volkswagen. Was dieser Tage alles um seine Person los ist, dürfte allerdings selbst den umtriebigen Österreicher überraschen.

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VW-Patriarch Ferdinand Piëch freut sich über eine rundum gelungene Woche. Foto: Nigel Treblin/dapd

Zuerst bekam er am Montag für sein Lebenswerk das Goldene Ehrenlenkrad von Bild am Sonntag und Auto Bild überreicht. Die Begründung der Jury: Piëch habe in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit im Volkswagen-Konzern wegweisende Entscheidungen getroffen, die VW zu einem der weltweit erfolgreichsten Automobilkonzerne gemacht hätten. Diese herausragende Leistung solle gewürdigt werden. Damit reiht sich Piëch in eine illustre Reihe ganz großer Auto-Manager ein – unter ihnen unter anderem Henry Ford.

Künstlerisches Denkmal für den VW-Patriarchen

Doch damit nicht genug; es kam noch besser für Piëch, der als einer der einflussreichster Manager der Republik gilt: Der Radiosender SWR2 widmet ihm ein eigenes Dokumentar-Passionsspiel mit dem Titel “Pietà Piëch”. Uraufgeführt werden soll das künstlerische Denkmal am Freitag bei den ARD-Hörspieltagen im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie. Im Südwestrundfunk zu hören sein wird es dann am 27. Januar.

Autor von “Pietà Piëch” ist der Kulturjournalist Walter Filz, der sich bisher mit Radiostücken wie “Der Affe zu Köln”, “Kein Requiem für Captain Kirk” und “Plopp oder Das Geräusch der Nähe” einen Namen machte. Filz greift bei seinem Hörstück auf O-Ton-Montagen von Auftritten Piëchs, überlieferte Anekdoten sowie Erinnerungen aus der Biografie zurück. Zu den Mitwirkenden zählen unter anderem die Schauspieler Jürg Löw, Gregor Höppner und Nadja Schulz-Berlinghoff.

Glaubenssätze von oben herab

Filz ist nach eigenem Bekunden von der Person Piëch fasziniert. “An Piëch interessiert mich die Kontinuität seiner Macht – und deren rätselhaftes Geheimnis. Kein Spitzenmanager in Deutschland ist so lange ganz oben geblieben. Immer wieder drohte er zu straucheln, aber gefallen ist er nie. Nicht über die Affäre Lopez, nicht über den VW-Korruptionsskandal und schon gar nicht über seine Verwandtschaft bei Porsche”, sagte er der Braunschweiger Zeitung. Er vergleicht ihn mit einem Religionsführer: “Glaubenssätze werden von oben herab verkündet – ob von einem Moses oder einem Mohammed oder eben einem Piëch”.

In sieben Stationen erzählt Filz laut dem SWR den Lebens- und Leidensweg von Piëch – von der Erblast der Nazi-Zeit über die Sexreisen-Affäre um Peter Hartz bis zum Übernahmekrieg mit Porsche. Der Autor selbst vergleicht übrigens Piëchs Biografie mit der traditionellen Darstellung Jesu als Schmerzensmann: “verletzt und stumm das Leid ertragend, aber mit Blessuren wieder auferstanden” Keine Angst, Filz beruhigt: “Natürlich wird Piëch am Ende nicht gekreuzigt”. Dann ist es ja eine rundum erfolgreiche Woche für den Patriarchen.

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