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Social Media: Was Unternehmen von Rap-Stars lernen können

dapd
Der Rapper 50 Cent auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Um seine Kopfhörer auf Twitter anzupreisen, ist ihm kein Mittel zu schade.

Mit sozialen Netzwerken können Unternehmen viel richtig machen. Oder falsch machen. Oder das ganze Thema von vornherein verpassen – das tun laut einer Studie der Berater von Pricewaterhouse Coopers fast ein Drittel der befragten Großunternehmen. Doch auch die Firmen, die den Stellenwert von Twitter, Facebook und Co. erkannt haben, haben Luft nach oben.  Acht Schritte für Unternehmen, um mit den Netzwerken erfolgreich zu sein.

1. Anfangen

70 Prozent der 161 befragten großen Unternehmen sind bei sozialen Medien wie Twitter, Facebook oder Youtube aktiv. Neben Unternehmen, die ihr Geld mit Technologie, Medien und Telekommunikation verdienen, ist auch die als konservativ verschriene Energiebranche vorne mit dabei – dort nutzen mehr als neun von zehn Unternehmen die neuen Kanäle.

Knapp ein Drittel der Unternehmen lässt ihre Möglichkeiten, die eigenen Botschaften viral herüberzubringen, aber noch komplett an sich vorbeigehen. Besonders rückständig sind Finanzdienstleister – von denen benutzt nur jeder zweite soziale Medien. Auch Chemie- und Pharmaunternehmen liegen weit hinten. Dabei liegt gerade für Unternehmen, die unter einem schlechten Ruf leiden, eine Chance in Twitter & Co. – wie etwa Nestlé erkannt hat.

2. Überlegen

Nur 40 Prozent der Unternehmen haben laut der Studie eine klar definierte Social-Media-Strategie. Auf eine gezielte Botschaft hat sich sogar nur jede dritte Firma verständigt.  12 Prozent haben über Sinn und Zweck ihrer Aktivitäten gar nicht nachgedacht. „Um Pannen zu vermeiden, muss allen Mitarbeitern bewusst sein, was und wie ihr Arbeitgeber kommunizieren will“, sagt Derk Fischer, Partner und Social-Media-Experte bei PWC.

 3. Ausweiten

Die allermeisten Unternehmen beschränken sich auf große, etablierte Plattformen. Branchenspezifische Plattformen oder Blogs nutzt dagegen gerade mal  jedes zehnte Unternehmen. Die aber können helfen, sowohl bei der Kommunikation im Unternehmen als auch bei der nach außen.

 4. Schulen

Gerade einmal 16 Prozent der Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Trainings in Sachen Social Media an. Fast 50 Prozent der Befragten sehen gar keinen Qualifizierungsbedarf. Ein Fehler, wenn es nach PwC-Partner Fischer geht: Regelmäßige Schulungen seien nötig, damit die Mitarbeiter die Strategie verstehen, die das Unternehmen auf Twitter & Co. fährt.

5. Zuhören, antworten

Zu viele Unternehmen sehen die sozialen Medien als „kommunikative Einbahnstraße“, sagt Fischer. Darauf, was die Nutzer zu sagen hätten, werde „oft zu spät und manchmal auch gar nicht geantwortet“. Das zahlt sich heim: Auch kleinere Pannen könnten sich schnell zum Shitstorm entwickeln, wenn das Unternehmen nicht rechtzeitig reagiert. Ein klares Konzept für den Dialog mit den Nutzern haben laut Studie aber nur 40 Prozent der Unternehmen.

Gut macht es zum Beispiel der amerikanische Edel-Supermarkt Whole Foods. Dort verbringt ein Angestellter, Michael Bepko, ungefähr ein Drittel seines Tages auf Twitter, um den Firmenaccount zu schmeißen. Die allermeiste Zeit, nämlich neun von zehn Stunden, unterhält er sich mit einzelnen Kunden. Da geht es auch mal um einen Käfer im Salat.

 6. Weiter überlegen

Mit sozialen Medien kann ein Unternehmen vieles machen. Twitter, Facebook und so weiter als reine Sendekanäle für (im schlimmsten Fall noch langweilige) Nachrichten und Werbung zu verwenden, wird der Sache nicht gerecht. Genau das tun aber die allermeisten. Clevere Firmen benutzen die Plattformen etwa, um den Usern innovative Ideen zu entlocken und die weiterzuentwickeln. Oder für den Vertrieb.

Ein spezieller Fall und doch ein gutes Vorbild ist Rapper und Unternehmer 50 Cent. Er stichelt gegen Konkurrenten und spielt mit dem Interesse der weiblichen Fans – beides ist nichts neues. Neu ist, das er das tut, um Werbung für seine neuen Kopfhörer zu machen. Wenn der Tweet das Werbe-Stichwort enthält (in Twitter-Sprache Hashtag), dann schickt er ihn weiter und gibt dem Anhänger seine 15 Minuten Ruhm – und nur dann.

7. Zahlen

Zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen im nächsten Geschäftsjahr mehr investieren, das letzte Drittel genauso viel wie bisher. Vor allem die Industrie und die Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation wollen zulegen. Drei von vier Unternehmen hoffen, auf diese Weise Mitarbeiter zu finden. Zwei Drittel wollen aufstocken, um besseres Marketing betreiben zu können. Wieviel sie ausgeben, haben die Unternehmen nicht verraten.

 8. Messen

Die wenigsten Unternehmen messen bisher den Erfolg ihrer Aktivitäten – über 40 Prozent der Befragten haben sich kaum oder gar nicht damit auseinandergesetzt, zu schauen, was ihnen die Arbeit tatsächlich bringt.

Florian Bamberg auf Twitter

 

 

 

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