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Ein Faible für Cognac

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Eine Flasche Clos du Griffier cognac von 1788, dem Jahr vor der französischen Revolution.

China und der US-amerikanische Rapper Kanye West haben eines gemeinsam: Sie lieben Cognac.

Die Chinesen sind von dem französischen Weinbrand so begeistert, dass sie in etwa vier Jahren zu den eifrigsten Konsumenten werden dürften, so eine aktuelle Studie der International Wine & Spirits Research im Auftrag der Weinhandelsgrup

pe Vinexpo. Schon jetzt ist China hinter den USA auf dem zweiten Platz und trocknet die weltweiten Vorräte langsam aus.

Im Reich der Mitte ist Cognac ein Statussymbol. Geschäftspartner verschenken ihn untereinander, und er wird bei Unternehmensveranstaltungen ebenso wie bei Familienfeiern gerne ausgeschenkt.

Vergangene Woche hieß es vom Schnapsbrenner Pernod Ricard, dass seine Cognac-Marke Martell dank der chinesischen Nachfrage stark wachse. Im zweiten Halbjahr 2011 wurde 28 Prozent mehr Martell verkauft als im Vorjahreszeitraum. Keine andere Marke des Unternehmens wächst schneller. Anfang des Jahres gab Remy Cointreau bekannt, dass der Verkauf der Marke Remy Martin in den neun Monaten bis Dezember 37 Prozent gestiegen sei. Wie Pernod erklärte auch Remy, dass die starke Nachfrage aus China der wichtigste Wachstumstreiber sei.

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US-Rapper Kanye West kann sogar auf dem roten Teppich nicht auf seinen Cognac verzichten.

Die Chinesen sind vom Cognac so besessen, dass sie auch den teuersten und seltensten Varianten hinterherjagen. Im September gab eine Frau aus Hongkong bei einer Auktion in Schanghai mehr als 150.000 Dollar für eine Flasche Cognac Croizet aus dem Jahr 1858 aus – ein Weltrekord.

Vergangenes Jahr kündigten die vier größten Cognac-Hersteller an, sie wollten auch Absatzmärkte außerhalb Chinas erschließen. Hennessy, Martin, Martell und Courvoisier stellen etwa 97 Prozent des gesamten von Frankreich exportierten Cognacs her. Remy liefert die Hälfte der Produktion nach Asien, wovon drei Viertel allein nach China gehen.

Die Spirituosenkonzerne erwarten allerdings, dass die Geschmäcker sich bald wieder ändern könnten. Einige glauben, dass guter Whiskey zum nächsten Trend wird und den Cognac ablöst. Gilbert Ghostine, Leiter des Asien-Pazifik-Geschäfts beim Getränkehersteller Diageo, sagte vergangene Woche, das Unternehmen verkaufe seine Scotch-Marken Windsor und Singleton besonders aggressiv, um die Konsumenten vom Cognac wegzulocken.

Doch selbst wenn die Chinesen anstatt des Cognacs bald dem Whisky verfallen, dürfte die Nachfrage trotzdem stark bleiben. Vinexpo erwartet, dass sie bis 2015 rund 3,3 Millionen Kisten Cognac trinken werden. Derzeit liegt die jährliche Produktion bei zwölf Millionen Kisten und dürfte kaum sehr viel weiter wachsen. Cognac-Fans wie Hip-Hop-Star Kanye West werden in Zukunft daher wohl etwas mehr für ihr Lieblingsgetränk ausgeben müssen.

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